Berkeley Harmony

So weit entfernt von zu Hause haben die Weihnachtsfeiertage eine ganz andere Qualität für mich – bisher waren es diese letzten zwei Wochen, die für mich am produktivsten waren, wenn man mal die gesamte Reise so betrachtet. Natürlich war das ganze Herumgereise auf eine völlig andere Art ebenso reich an Erfahrung und Gelerntem, aber nun habe ich endlich Zeit und Gelegenheit, zu studieren, mich zu fokussieren, aber auch ein bisschen zu erholen und zu sammeln. Doch nochmal von ganz vorne…

Anfang Dezember führte mich meine Reise zurück nach San Francisco. Nur um den Überblick zu bewahren: Ich bin in einem Monat ganz schön rumgekommen und habe die USA fast einmal komplett umrundet. Mit dem Zug ging es zuerst nach Portland, dann nach Minneapolis und Umgebung, dann nach New York und dann nach Miami und schließlich wieder zurück nach Kalifornien…

Die Reise war ein Traum, lehrreich, aufregend und etwas, das ich niemals vergessen werde. Trotzdem wurde mir nach meiner Rückkehr schnell bewusst, wie anstrengend und erschöpfend so eine Unternehmung gleichzeitig ist. Also entschied ich mich, für den Rest meines Aufenhalts erst einmal in der Bay Area zu bleiben und mich tatsächlich mit etwas handfesteren Dingen zu beschäftigen.

Und wie das anscheinend so üblich ist, wenn man auf Reisen und mit positiver Einstellung unterwegs ist, haben sich auch gleich gefühlte hundert Möglichkeiten der sinnvollen Beschäftigung ergeben.

Gerade wohne ich zur Zwischenmiete in einem wunderschönen Haus in Berkeley. Nach Monaten voll von Couchsurfing, Luftmatratzen, Hostels und geteilten Zimmern ein eigenes Zimmer zu haben ist ein wahrer Segen und erscheint mir fast wie ein unmöglicher Luxus ;) Mitte Januar habe ich dann zwei Wochen Hauslosigkeit (eine wunderbare Gelegenheit für Abenteuer, wie ich mittlerweile weiß) und ziehe dann in eine neue Zwischenmiete, ebenfalls in Berkeley.

Ich hatte endlich die Gelegenheit einem Kurs von Liu Ming beizuwohnen, der in Oakland eine daoistische Gemeinschaft, den Da Yuan Circle, unterhält. Der Kurs findet einmal im Monat statt und dreht sich im Grunde um die Anpassung an die jeweilige Jahreszeit mit Ausblick auf Ernährung, Lebensweise, Astrologie und Rituale. Obwohl das für mich im ersten Moment etwas abstrakt und esoterisch klang, konnte ich sehr viel entdecken, was dem, was wir in der Thammavong Schule unterrichten, sehr ähnlich ist. Ich war unheimlich froh, diesen Kurs besucht zu haben. Ich kam gerade zurück von meiner Reise, war unheimlich müde und ein bisschen krank und zudem etwas unruhig, weil ich zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste, wie meine Reise weitergehen sollte. Die Hauptbotschaft des Seminars war folgende: Im Winter zieht sich das yang hauptsächlich zurück, um das yin zu regenerieren und im Inneren zu wirken, um dann im Frühjahr erneut nach außen zu treten. Deshalb ist der Winter die Zeit der yin-Regeneration, des Rückzugs und der Erholung der Kräfte. Liu Mings Hauptaussage war, dass es gerade um die Zeit der Wintersonnenwende am natürlichsten ist, gar nichts zu tun, auszuruhen, zu schlafen und zu Kräften zu kommen. Keine Zeit der großen Aktivität nach außen. Das war meine Rettung, fast sofort ging es mir besser und ich war inspiriert, den Rest meiner Zeit hier fast ein bisschen häuslich zu werden und erstmal abzuwarten und mich mit ruhigeren Dingen zu beschäftigen. Kurz darauf fand ich das Zimmer hier und auch Anastacia White zum zweiten Mal.

Liu Ming

Weil ich gerne nicht mehr nur Eindrücke sammeln wollte, sondern auch konkret etwas für meine Weiterbildung tun wollte, habe ich nach meiner Rückkehr auch Anastacia White kontaktiert (hier der Artikel zu ihrer Kräuterwanderung) und sie gefragt, ob sie bereit wäre mir etwas über chinesische Kräuter beizubringen. Schließlich ist das der nächstsinnvolle Schritt in meiner Ausbildung und etwas, das mich sowieso erwartet, sobald ich wieder zu Hause bin! Sie hat sofort ja gesagt, und meine anfänglichen Bedenken, ob denn eine Stunde Kräuterlehre in der Woche genug sei, um mich zu beschäftigen, wurden sofort zerstreut angesichts des riesigen Bergs an Hausaufgaben, den ich nach der ersten Stunde aufbekam…:) Darüber freue ich mich riesig, es gibt mir die Chance mich auf etwas wichtiges zu konzentrieren, hierzubleiben, die Gegend kennenzulernen und etwas mit nach Hause zu nehmen, das immens wichtig ist für meine Zukunft als Gesundheitsberaterin. So beschäftige ich mich jetzt jeden Tag ein bisschen mit der Materia Medica und arbeite mich Schritt für Schritt durch dieses riesige Thema.

Anastacia White

Nicht zuletzt sollte dann auch noch eine wichtige Person in meinem Lernprozess erwähnt werden: Dr. Alex Feng. Ich habe ihn als Organisator des Taoist Gathering, einer Taoistischen Konferenz in Oakland im Oktober kennengelernt und habe kurz darauf seinen Tai Chi Kurs besucht. Ich bin so froh, durch meine temporäre Sesshaftigkeit in Berkeley seine Kurse nun regelmäßig besuchen zu können. Zweimal die Woche gehe ich also zum Tai Chi im Zhi Dao Guan – The Taoist Center und lerne die Chen-56-Form, viel Chi Sao und Zentrierungsübungen inklusive. Er ist ein wunderbarer Lehrer, sehr sanft und poetisch aber auch kraftvoll und beeindruckend in seiner Kampfkunst.

Shi Fu Dr. Alex Feng

Mit dieser Kombination fühle ich mich sehr erfüllt und lerne eine Menge, vieles ist schwer zu beschreiben und fühlt sich eher an wie eine Vertiefung und Sicherung von Dingen, die ich schonmal gelernt habe. Vieles ist aber auch neu und eröffnet neue Sichtweisen und Perspektiven. Wo Fragen beantwortet werden, eröffnen sich ständig neue. I ♥ Daoism.

Achja, um mehr über Liu Ming, Anastacia und Dr. Feng zu lernen, klickt einfach auf die Bilder…leider nur auf Englisch.

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Please note that I'm only beginning my career in Chinese Medicine. It is not my goal to be historically or scientifically exact, I just want to share my thoughts and process my experiences. If you find something worth a discussion I would love you to leave a comment and will probably benefit from it.