Auf den letzten Drücker…

…. noch ein Blog-Artikel von mir. In weniger als 30 Stunden ist es tatsächlich soweit und ich mache mich auf den Weg zum Flughafen mit dem Ziel Berlin Tegel am Dienstag morgen.

Meine Gefühle könnten gespaltener nicht sein und dennoch freue ich mich riesig auf zu Hause und kann es kaum erwarten, Freunde und Familie wiederzusehen und die Arbeit, die dort auf mich wartet endlich anzugehen.

Ich habe in den letzten Monaten so unglaublich viel gelernt, so viele großartige Menschen kennengelernt und mein Leben in jeglicher Hinsicht bereichert in einem Maße, dass ich jetzt noch gar nicht erkennen kann. Danke an alle, die diese Reise für mich möglich gemacht haben. Und danke an alle, die es die ganze Zeit brennend interessiert hat, was ich so erlebe und unternehme…;)

Habe schweren Herzens die letzten Kurse in dieser Woche hinter mich gebracht. Hier nochmal ein paar Beweisfotos:

Mein Taiji Lehrer Dr. Alex Feng

Meine Kräuterlehrerin Anastacia White

Das wunderschöne Haus, in dem ich zuletzt gewohnt habe!

Übrigens habe ich vor, weiterhin über Chinesische Medizin zu bloggen…:)

Und dann hier noch ein paar Zeilen, die mich heute sehr inspiriert haben:

„Habe Geduld gegen alles Ungelöste in deinem Herzen und versuche, die Fragen selbst lieb zuhaben wie verschlossene Stuben und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind. Forsche jetzt nicht nach Antworten, die dir nicht gegeben werden können, weil du sie nicht leben kannst und es handelt sich darum alles zu leben. Lebe jetzt die Fragen – vielleicht lebst du dann allmählich ohne es zu merken in die Antwort hinein.“

– Rainer Maria Rilke

Berkeley Harmony

So weit entfernt von zu Hause haben die Weihnachtsfeiertage eine ganz andere Qualität für mich – bisher waren es diese letzten zwei Wochen, die für mich am produktivsten waren, wenn man mal die gesamte Reise so betrachtet. Natürlich war das ganze Herumgereise auf eine völlig andere Art ebenso reich an Erfahrung und Gelerntem, aber nun habe ich endlich Zeit und Gelegenheit, zu studieren, mich zu fokussieren, aber auch ein bisschen zu erholen und zu sammeln. Doch nochmal von ganz vorne…

Anfang Dezember führte mich meine Reise zurück nach San Francisco. Nur um den Überblick zu bewahren: Ich bin in einem Monat ganz schön rumgekommen und habe die USA fast einmal komplett umrundet. Mit dem Zug ging es zuerst nach Portland, dann nach Minneapolis und Umgebung, dann nach New York und dann nach Miami und schließlich wieder zurück nach Kalifornien…

Die Reise war ein Traum, lehrreich, aufregend und etwas, das ich niemals vergessen werde. Trotzdem wurde mir nach meiner Rückkehr schnell bewusst, wie anstrengend und erschöpfend so eine Unternehmung gleichzeitig ist. Also entschied ich mich, für den Rest meines Aufenhalts erst einmal in der Bay Area zu bleiben und mich tatsächlich mit etwas handfesteren Dingen zu beschäftigen.

Und wie das anscheinend so üblich ist, wenn man auf Reisen und mit positiver Einstellung unterwegs ist, haben sich auch gleich gefühlte hundert Möglichkeiten der sinnvollen Beschäftigung ergeben.

Gerade wohne ich zur Zwischenmiete in einem wunderschönen Haus in Berkeley. Nach Monaten voll von Couchsurfing, Luftmatratzen, Hostels und geteilten Zimmern ein eigenes Zimmer zu haben ist ein wahrer Segen und erscheint mir fast wie ein unmöglicher Luxus ;) Mitte Januar habe ich dann zwei Wochen Hauslosigkeit (eine wunderbare Gelegenheit für Abenteuer, wie ich mittlerweile weiß) und ziehe dann in eine neue Zwischenmiete, ebenfalls in Berkeley.

Ich hatte endlich die Gelegenheit einem Kurs von Liu Ming beizuwohnen, der in Oakland eine daoistische Gemeinschaft, den Da Yuan Circle, unterhält. Der Kurs findet einmal im Monat statt und dreht sich im Grunde um die Anpassung an die jeweilige Jahreszeit mit Ausblick auf Ernährung, Lebensweise, Astrologie und Rituale. Obwohl das für mich im ersten Moment etwas abstrakt und esoterisch klang, konnte ich sehr viel entdecken, was dem, was wir in der Thammavong Schule unterrichten, sehr ähnlich ist. Ich war unheimlich froh, diesen Kurs besucht zu haben. Ich kam gerade zurück von meiner Reise, war unheimlich müde und ein bisschen krank und zudem etwas unruhig, weil ich zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste, wie meine Reise weitergehen sollte. Die Hauptbotschaft des Seminars war folgende: Im Winter zieht sich das yang hauptsächlich zurück, um das yin zu regenerieren und im Inneren zu wirken, um dann im Frühjahr erneut nach außen zu treten. Deshalb ist der Winter die Zeit der yin-Regeneration, des Rückzugs und der Erholung der Kräfte. Liu Mings Hauptaussage war, dass es gerade um die Zeit der Wintersonnenwende am natürlichsten ist, gar nichts zu tun, auszuruhen, zu schlafen und zu Kräften zu kommen. Keine Zeit der großen Aktivität nach außen. Das war meine Rettung, fast sofort ging es mir besser und ich war inspiriert, den Rest meiner Zeit hier fast ein bisschen häuslich zu werden und erstmal abzuwarten und mich mit ruhigeren Dingen zu beschäftigen. Kurz darauf fand ich das Zimmer hier und auch Anastacia White zum zweiten Mal.

Liu Ming

Weil ich gerne nicht mehr nur Eindrücke sammeln wollte, sondern auch konkret etwas für meine Weiterbildung tun wollte, habe ich nach meiner Rückkehr auch Anastacia White kontaktiert (hier der Artikel zu ihrer Kräuterwanderung) und sie gefragt, ob sie bereit wäre mir etwas über chinesische Kräuter beizubringen. Schließlich ist das der nächstsinnvolle Schritt in meiner Ausbildung und etwas, das mich sowieso erwartet, sobald ich wieder zu Hause bin! Sie hat sofort ja gesagt, und meine anfänglichen Bedenken, ob denn eine Stunde Kräuterlehre in der Woche genug sei, um mich zu beschäftigen, wurden sofort zerstreut angesichts des riesigen Bergs an Hausaufgaben, den ich nach der ersten Stunde aufbekam…:) Darüber freue ich mich riesig, es gibt mir die Chance mich auf etwas wichtiges zu konzentrieren, hierzubleiben, die Gegend kennenzulernen und etwas mit nach Hause zu nehmen, das immens wichtig ist für meine Zukunft als Gesundheitsberaterin. So beschäftige ich mich jetzt jeden Tag ein bisschen mit der Materia Medica und arbeite mich Schritt für Schritt durch dieses riesige Thema.

Anastacia White

Nicht zuletzt sollte dann auch noch eine wichtige Person in meinem Lernprozess erwähnt werden: Dr. Alex Feng. Ich habe ihn als Organisator des Taoist Gathering, einer Taoistischen Konferenz in Oakland im Oktober kennengelernt und habe kurz darauf seinen Tai Chi Kurs besucht. Ich bin so froh, durch meine temporäre Sesshaftigkeit in Berkeley seine Kurse nun regelmäßig besuchen zu können. Zweimal die Woche gehe ich also zum Tai Chi im Zhi Dao Guan – The Taoist Center und lerne die Chen-56-Form, viel Chi Sao und Zentrierungsübungen inklusive. Er ist ein wunderbarer Lehrer, sehr sanft und poetisch aber auch kraftvoll und beeindruckend in seiner Kampfkunst.

Shi Fu Dr. Alex Feng

Mit dieser Kombination fühle ich mich sehr erfüllt und lerne eine Menge, vieles ist schwer zu beschreiben und fühlt sich eher an wie eine Vertiefung und Sicherung von Dingen, die ich schonmal gelernt habe. Vieles ist aber auch neu und eröffnet neue Sichtweisen und Perspektiven. Wo Fragen beantwortet werden, eröffnen sich ständig neue. I ♥ Daoism.

Achja, um mehr über Liu Ming, Anastacia und Dr. Feng zu lernen, klickt einfach auf die Bilder…leider nur auf Englisch.

Chow Qigong Training Event in Minnesota

Ich liebe es, mit dem Zug zu reisen. Man hat eine Menge Zeit, zu lesen, seine Gedanken zu ordnen, aus dem Fenster zu schauen und Blog Artikel zu schreiben. Es gibt eine Menge Geschichten zu erzählen, eine daoistische Konferenz in Oakland, ein wunderbarer Tai Chi Kurs mit Dr. Alex Feng, ein daoistischer Meister, von dem ich gerne mehr lernen würde, ein paar Kurse am College für Chinesische Medizin. Doch ich werde mit den jüngsten Ereignissen beginnen und dann auf mehr Zugfahrten hoffen, um diese ganzen Lücken in der Geschichte zu füllen.
Ich habe die letzten zwei Wochen in und um die Twin Cities (Zwilligsstädte) Minneapolis und St. Paul im Staate Minnesota verbracht. Anlass dieser langen Reise dorthin (insgesamt über 40h mit dem zug) war ein Einführungsprogram in Chow Qigong, das Dr. Chow dort vom 4. bis zum 6. November abgehalten hat. So ziemlich das erste, was sie mir angeboten hat, war, mit ihr nach Minnesota zu kommen und ich habe sehr gezögert, weil ich mich nicht in der Lage sah, Transport und Unterkunft zu bezahlen. Da sieh aber nicht locker ließ, entschied ich mich kreativ zu werden, den Zug zu nehmen, in Portland einen Zwischenstopp zu machen, auf gleichem Wege so viel vom Land zu sehen, wie nur möglich. Das Problem der Unterkunft löste sich ohne großen Aufwand durch die beeindruckende Gastfreundschaft der Minnesotaer (???), die mir bis zu diesem Moment das Herz wärmt. Nach zwei Wochen Gast sein in 4 verschiedenen Häusern habe ich fast das Gefühl, ein Stück Familie hinter mir zu lassen.

Pfeil und Bogen Übung, Dr. Chow, ich und Maria Blodek aus Miami; Foto: Joseph Welch

Meine Aufgabe war es, die Qigong-Übungen zu unterrichten, während Dr. Chow die Theorie vermittelte, Meditation anleitete und Beschwerden der Teilnehmer auf der Bühne erleichterte. Unterstützung bekam ich dabei von Maria, einer Schülerin von Dr. Chow aus Miami, Florida, die mich ebenfalls zu sich eingeladen hat. Hoffen wir, das meine Reise mich noch in den warmen Süden bringen wird.

Diagonale Streckung; Foto: Joseph Welch

Die Qigong-Übungen zu unterrichten war mir eine große Freude und ich habe wiedermal gemerkt, dass ich mich in dieser Arbeit sehr wohl fühle. Ich wurde begeistert aufgenommen und habe viel Lob erhalten. Insgesamt war das Seminar eine sehr positive Erfahrung. Auch ist es sehr interessant, die Übungen aus Dr. Chows Perspektive zu lernen, einige Aspekte werde ich sicher mit einarbeiten in mein Qigong, andere Aspekte gefallen mir besser so, wie ich sie ursprünglich an der Thammavong Schule gelernt hatte. Am Montag nach dem Seminar hatte ich die Gelegenheit, den ganzen Tag Konsultationen mit Dr. Chow beizuwohnen. Eine sehr interessante Erfahrung, jedoch auch sehr komplex und besser persönlich zu erzählen.


Nachdem Seminar war mir noch nicht danach, die Stadt wieder zu verlassen, aber ich hatte keine Bleibe und kein wirkliches Ziel in der Stadt und da kam eine email der Organisatorin Mary Zelmer wie gerufen: die „Qigong Connection“, die Vereinigung von Qigong-Praktizierenden in Minnesota, die hauptsächlich für das Seminar verantwortlich war, wollte einen Übungskurs mit mir organisieren, um die doch in ziemlich raschem Tempo gelernten Übungen zu wiederholen. Dieser Kurs sollte am 15. November stattfinden und somit hatte ich noch eine ganze Woche in der Gegend. Ein Mitglied der Qigong Connection war wieder einmal mehr als bereit, mich bei sich zu Hause aufzunehmen und ich hatte ein wunderbare Zeit mit Teresas Familie und vermisse sie jetzt schon sehr. So habe ich ein bisschen mitgeholfen in dem kleinen Waldorfkindergarten, den Teresa bei sich im Haus ein paar Tage die Woche unterhält und habe auch dabei sehr viel gelernt. Wie ein roter Faden zieht sich die Erkenntnis durch meine Reise, dass alles, was ich irgendwie lerne, sich in meine Arbeit und mein Verständnis von Daoismus einarbeiten lässt. Wahrscheinlich, weil diese Art von Beruf so eng mit der ausübenden Person zusammenhängt ist jedes charakterformende Erlebnis auch für die Arbeit von Bedeutung.
Für mich war es eine große Ehre, diesen zweiten Kurs alleine zu leiten, Dr. Chow war ja schon zurück in San Francisco. Es gab keine Reservierungen für den Kurs, und so waren wir ein bisschen unsicher, wie er aussehen würde. Am Ende kamen 30 Leute, genau die richtige Zahl für den Raum, sehr voll, aber nicht zu voll! Alle waren sehr dankbar für die Gelegenheit, die Übungen nochmal durchzusprechen und ich war sehr dankbar für die Gelegenheit, sie etwas mehr so zu unterrichten, wie ich sie normalerweise unterrichten würde. Mary hat dann noch einmal betohnt, dass ich mich jetzt „International Teacher“ nennen darf, womit sie wohl ein bisschen recht hat…:) So hatte ich auch nochmal die Gelegenheit, viele Leute von dem Seminar noch einmal zu sehen und michzu verabschieden.
Gerade bin ich auf dem Weg nach New York (mit gerade meine ich den Moment in dem ich dies schreibe. Es gibt kein Internet im Zug, also sind die Zeitangaben in diesem Artikel etwas verzögert). Bin mal gespannt, was das so bringt. Zum Anfang Dezember möchte ich gerne wieder in San Francisco sein. Trotz allem werde ich wohl nicht weiter mit Dr. Chow zusammen arbeiten. So dankbar ich auch für diese Erfahrung bin, es gibt noch viel zu entdecken und viele Menschen in der Gegend, von denen ich gerne lernen würde.

Der Wert eines Kochbuchs

Nach der Kräuterwanderung habe ich dann noch auf einem Stadtfest in Berkeley dieses wunderbare Buch für $1 erstanden:

Schon seit längerer Zeit bin ich immer auf der Suche nach einem guten, d.h. authentischen chinesischen Kochbuch. Zum einen, weil ich chinesisches Essen liebe und zum anderen, weil ich glaube, dass es eine der bekömmlichsten Arten zu kochen ist. Konsequenterweise, schließlich entspringt die chinesische Kochkunst ja demselben Hintergrund wie die Chinesische Medizin – ich brauche glaube ich nicht mehr hinzuzufügen, dass Ernährung und damit auch die Art und Weise des Kochens einen großen Teil der CM ausmacht.

Ich würde sogar soweit gehen, zu behaupten, dass man aus einem authentischen chinesischen Kochbuch eine Menge über die medizinischen Aspekte des Kochens lernen kann! Oder anders gesagt, über die volkstümliche praktische Anwendung der chinesischen Medizin! Voraussetzung hierfür ist es natürlich, dass es neben den bloßen Rezepten einige Informationen zur Art und Weise des Kochens, Essensgewohnheiten, Zubereitungsmethoden und Anwendungsmöglichkeiten liefert.

"Reissuppe ist sättigend, nährend und leicht zu verdauen. Es ist ein exzellentes Nahrungsmittel für Kranke und jene mit Magenproblemen. Ist sie für Kranke gedacht, lass alles Fleisch weg, um die Suppe neutral und fettfrei zu halten." - Kommt das irgendwem bekannt vor? ;)

Kräuterwanderung – Herbwalk in Berkeley, CA

[english version is in the works…]

Ich muss einen Artikel schreiben, sonst ist der Tag, über den ich berichten will, schon zu lange vergangen! Am Sonntag habe ich an einer Führung durch den Botanischen Garten in Berkeley teilgenommen, mit besonderem Fokus auf die Abteilung für chinesische medizinische Kräuter. Es war ein wundervoller Tag, der Garten ist wirklich sehr umfassend und meiner Meinung nach wesentlich schöner als der San Francisco Botanical Garden! Also wer mal hier in der Gegend ist, sollte den kleinen Kurztrip (hier zu sehen auf der Karte) nach Berkeley wagen und den dortigen Garten besuchen.

Ich hatte das Glück, dass die Gruppe an diesem Tag sehr klein war. Nur Anastacia White, die Leiterin der Kräuterwanderung und ein weiterer Gast waren anwesend, sodass die ganze Unternehmung einen sehr privaten Charakter hatte und dadurch wesentlich intensiver und lehrreicher war als etwa in einer 20-köpfigen Gruppe. Anastacias Art zu unterrichten hat mir wirklich gut gefallen und ich bin ihr sehr dankbar für die Möglichkeit, einen wichtigen Teil der chinesischen Materia Medica einmal live und in Farbe zu erleben.

Das Erlebnis, die Pflanzen auch in ihren verschiedenen Wachstumsstadien zu sehen hat eine neue Dimension zu meinem Verständnis der chinesischen Kräuter hinzugefügt. Ich finde es schwer, dass auszudrücken, aber ich konnte mir immer kaum vorstellen, dass diese ganzen getrockneten Wurzeln, Zweige, Samen und Blätter tatsächlich das Endprodukt einer Pflanze sein sollen, die in anderen Teilen der Welt wächst wie bei uns Beifuß oder Brennnesseln (abgesehen von den seltenen und gefährdeten Kräutern, versteht sich).  Sie wachsen zu sehen hat für mich die gefühlte Kluft zwischen unseren heimischen Kräutern und den asiatischen (und amerikanischen, afrikanischen, usw…) erheblich verringert.

Huang qi - Radix astragali (Quelle: http://chinese.herbs.webs-sg.com/articles_1.html)

Huang qi - Radix astragali (Quelle: http://chinese.herbs.webs-sg.com/articles_1.html)

Huang qi - Astragalus membranaceus

Astragalus membranaceus

Die Fotos sind leider nicht die allerbesten und mit meinem Netbook kann ich sie nicht bearbeiten, aber für den Moment muss es wohl reichen…

Mit Anastacias Hilfe bin ich auch der Beantwortung meiner ewigen Frage, wie die Menschen angefangen haben, die Wirkweise von Kräutern zu entdecken, etwas nähergekommen. Natürlich wusste ich auch schon vorher, dass sich der Charakter der Wirkweise vieler Pflanzen auch in ihrer Erscheinung oder Manifestation ausdrückt, sprich dass man ihnen in einem gewissen Rahmen ihre Qualitäten ansieht. Wenn man einmal die Gelegenheit hat, die frischen Pflanzen anzufassen, zu riechen und zu schmecken, dann weiß man, was damit gemeint ist. Einige Pflanzen fühlen sich einfach kühl und feucht an und man kann sich denken, dass sie vielleicht befeuchten und das yin tonisieren. Oder eine Pflanze hat sehr feine Blätter und Blüten und ein sehr intensives Aroma und man kann sich denken, dass sie vielleicht Nässe und Schleim bewegt oder das qi reguliert.

Interessant war für mich zum Beispiel, dass die Blätter von Dang gui (angelica sinensis) ein bisschen aussehen wie Sellerie und auch sehr ähnlich schmecken. Anastacia hat mir dann erklärt, dass die beiden tatsächlich zu gleichen Familie gehören. Ist also alles gar nicht so anders als das, was bei uns im Garten wächst!

Angelica sinensis

Dang gui - Radix angelica sinensis (Quelle: vertigopower.com)

Weiterhin war es für mich schön zu sehen, wie verschieden die einzelnen Arten einer Pflanze sein können. Mir ist jetzt endlich bewusst, was für einen Unterschied es macht, wenn man die chinesische Variante einer Pflanze verwendet, deren Gattung auch bei uns heimisch ist. Es handelt sich einfach um völlig verschiedene Pflanzen!

Europäischer Weißdorn

Chinesischer Weißdorn - Crataegus pinnatifida

Auf den Bildern ist es zwar nicht ganz so schön zu sehen, aber die Beeren des chin. Weißdorns sind viel größer als unsere. Oft sind die Teile einer Pflanze, die man auch medizinisch nutzt, jene, die am besten entwickelt sind.

Anastacia bietet diese Kräuterwanderung fast jeden Monat an. Sollte ich bis dahin wieder in der Gegend sein, werde ich auch im Dezember daran teilnehmen. Aufgrund des Klimas hier werden zwar eine Menge Pflanzen mehr oder weniger „Winterschlaf“ halten, aber eben nicht alle. Außerdem macht es denke ich auch Sinn, die Kräuter in verschiedenen Stadien zu sehen.

Gute Aussichten – Great chances

[english version below]

Ich bin nun seit genau einer Woche hier und hätte mir noch vor ein paar Tagen nie träumen lassen, wie schnell die Dinge jetzt gerade ins Rollen kommen. Dr. Chow hat sich bereit erklärt, meine Übungen zu kontrollieren und zu verbessern und mir außerdem dabei zu helfen, Kontakte in der Region zu knüpfen. Diese Chance ist für mich so riesig, dass ich sie noch gar nicht fassen kann und wohl noch eine Weile darüber komtemplieren muss.

Schon jetzt habe ich unheimlich viel von ihr gelernt, vor allem darüber, wie viel es noch an Erfahrung zu gewinnen gilt. Auch die Verbesserung meiner Übungen war und ist ganz beträchtlich. Nur minimale Korrekturen wirken sich immens auf die Intensität der Übungen aus. Morgen treffe ich sie wieder und das Üben geht weiter.

Derweil habe ich einen Feldenkrais-Kurs besucht, über den ich natürlich auch berichten werde. Allerdings brauche ich dafür erst ein bisschen Zeit, um das Gelernte zu verarbeiten und ein bisschen zu recherchieren.

Dr. Effie Poy Yew Chow

I’m here for one week now and would never have dreamed even a couple of days ago, how quickly things would unfold around here. Dr. Chow was so nice to agree to check and correct my exercises and even help me to connect with people around the area. This is such a huge chance for me, that I don’t even realize the extent of it and might have to contemplate about it for a little while.

Already now I have learned a lot form her, especially about the massive amount of experience that I still have to gain. The correction of my exercises had and still has a remarkable effect. The tiniest details have an amazing impact on the intensity of the exercises. Tomorrow I will meet her again and the practicing continues on.

Meanwhile, I have taken part in a Feldenkrais class as well, which was really interesting. I want to write about it further of course, but I still have to find the time to organize the stuff I learned and to do some research.

Was für eine Überraschung – What a surprise

Als ich gestern meinen ersten Qigong-Kurs in SF besuchte, fügte sich für einen kleinen Moment alles sehr schicksalhaft ineinander. In einem ziemlich coolen Sportgeschäft namens Sports Basement hatte ich einen kostenlosen Qigongkurs ausfindig gemacht. Der Raum wurde, wie ich später herausfand, von der Firma gesponsert, weshalb keine Kosten für die Teilnehmer entstehen (der jeweilige Leiter des Kurses ist ebenfalls freiwillig am Start) – nett, oder?

Ich hatte den Kurs auf der Website einer Qigong-Meisterin entdeckt, von der auch mein Lehrer lange Zeit gelernt hatte, Dr. Chow, sprich es handelte sich hier um den gleichen Stil, der auch in meiner Ausbildung behandelt wurde. In der Kursbeschreibung war nur aufgeführt, dass der Kurs von einer Schülerin geleitet werden würde. Nach einer kleinen Vorstellungsrunde, bei der ich gerade in kurzen Zügen den Zweck meiner Reise erklärt hatte, kam dann auch schon die Meisterin persönlich in den Raum spaziert. Die Aufregung war natürlich groß, denn ich hatte überhaupt nicht damit gerechnet, sie dort anzutreffen und die anderen Kursteilnehmer begriffen ziemlich schnell die Außerordentlichkeit dieser Situation. Ich wurde sofort sehr herzlich begrüßt und prompt zum Abendessen eingeladen. Morgen habe ich höchstpersönlich einen Termin bei ihr zwecks der Qualitätskontrolle meiner Übungen… bin ein bisschen aufgeregt und nehme dies mal als ein Zeichen dafür, dass diese Unternehmung vielleicht doch keine ganz schlechte Idee war…

 

When I attended my first Qigong-class in SF yesterday some of the many loose ends started to connect fatefully. I found a free class in a pretty cool sporting-goods retailer called Sports Basement. As I found out later the room was actually sponsored by that firm and the class instructor was doing her job as a volunteer – nice, isn’t it?

I found this class on the website of a qigong grandmaster who my teacher was learning with for some time, Dr. Chow, which means that it included the same style of qigong that I learned, as well. In the class description online it only said that it was lead by a student of hers. As soon as I finished introducing myself and my journey shortly, the master herself walked into the room. There was a lot of excitement and the other participants realized the greatness of that moment pretty quickly. I was welcomed very heartily and promptly invited for dinner. Tomorrow I have an appointment with her, she wants to check the quality of my exercises… I’m a little excited and take this as a sign that this venture might not have been such a bad idea after all…

San Francisco


[english version below]

Nach einer mehr oder weniger unerfreulichen Einreise bin ich nun gut in San Francisco angekommen. Die selbstorganisierte Studienreise kann also losgehen. Nachdem es ein paar Probleme bei der Immigration gab aufgrund der nicht gerade perfekt durchorganisierten Natur dieses Aufenthalts, werde ich hoffentlich in den nächsten Tagen Gelegenheit haben, dies nachzuholen. Momentan habe ich den Kopf noch nicht frei, mich mit Chinesischer Medizin zu beschäftigen, da erstmal alles auf Orientierung und „Überleben“ ausgerichtet ist.

Meine erste Amtshandlung in die Richtung war jedoch ein Bummelgang im offiziellen Chinatown der Stadt, da sich mein Hostel direkt davor befand (ich habe gerade gelernt, dass es hier tatsächlich eine ganze Menge Chinatowns gibt.). Der Laden, der meine Aufmerksamkeit auf sich zog, war ein sehr schicker und professioneller Teeladen mit angeschlossener Apotheke für chinesische Kräuterrezepte. Ich wurde dann direkt zu einer Tasse Tee eingeladen und konnte die komplizierten Zubereitungsvorgänge bestaunen, die je nach Teesorte extrem variieren können. So lernte ich gleich etwas über „gong fu cha“, das Kung Fu des Tees. Denn bekannterweise beschränkt sich der Ausdruck Kung Fu ja nicht im Geringsten auf die verschiedenen Kampfkünste, sondern bedeutet ja übersetzt „beständiges Üben“ oder auch „rechte Anstrengung“ und kann sich auf jede beliebige Tätigkeit beziehen, solange sie eben mit einer gewissen Beständigkeit und einem gewissen Hintergrund betrieben wird.

Ich habe das Gefühl, dass dieses Erlebnis sehr bezeichnend für die gesamte Unternehmung sein wird, denn aus verschiedenen Gründen (vor allem finanzielle) wird ein Großteil der Erfahrungen, die ich hoffentlich machen werde, nicht im eigentlichen Sinne etwas mit meinem Fachgebiet zu tun haben. Aber das schöne am Daoismus und allem, was dazu gehört, ist ja, das jede, und zwar wirklich jede Erfahrung etwas beitragen kann zu einem besseren Verständnis. Zum Beispiel der Besuch in einem Teeladen.

 

After a some kind of unpleasant journey I arrived safely in San Francisco. The self-organized study trip is about to start. After a some kind of difficult immigration due to the vagueness of my specific goals in the states I hopefully now have the time to plan things. Right at the moment I’m not ready yet to deal with the Chinese Medicine stuff I want to do, because I’m quite focused on getting oriented and „surviving“.

My first action in this direction was a short bimble across the official Chinatown, since my hostel was located right in front of it (I only learned today that there are quite a lot of Chinatowns in this city).

The store that caught my attention was a very fancy and professional tea shop with an apothecary for chinese herbal formulas. In a matter of seconds I was invited to a cup of tea and was allowed to watch the difficult processes of preparation that vary astonishingly depending on the kind of tea. This way, on my first day in SF, I learned something about „gong fu cha“, the kung fu of tea. Because, as you probably know, the term „kung fu“ is not at all limited to the various kinds of martial arts, but actually means „consistent practice“ or „the right effort“. This can be applied to any kind of activity that is practiced with a certain effort and consistency and a certain background.

I had the feeling, that this experience will turn out to be very characteristic for this whole adventure, because for several reasons (financial, mostly) the experiences I’m hopefully gonna have will for the biggest part not have something to do with my profession. But the great and fascinating thing about Daoism is that everything that happens, absolutely everything can add something to a better understanding. For example stepping into a teashop.

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Please note that I'm only beginning my career in Chinese Medicine. It is not my goal to be historically or scientifically exact, I just want to share my thoughts and process my experiences. If you find something worth a discussion I would love you to leave a comment and will probably benefit from it.