Der erste Monat/ein Rückblick – the first month/a review

[english version is in the works…]

Der erste Monat in San Francisco ist „überstanden“ und ich wage mal den Versuch einer Zusammenfassung… die Zeit vergeht so schnell und ich habe das Gefühl, ich habe alles und nichts erlebt. Ich habe viel über das gelernt, was ich arbeiten und lernen möchte, wenn auch nicht auf die Art, die ich mir erhofft hatte. Bisher ist mein Eindruck von Qigong in dieser Stadt oder in diesem Land sehr unterschiedlich von meinem eigenen Bild davon. Natürlich habe ich noch nicht sehr viel davon gesehen.

Obwohl es mir nicht besonders gefällt, lerne ich sehr viel über Marketingstrategie und andere Sachen, die wichtig sind für das Geschäft. Das ist natürlich sehr wichtig, ein Großteil der Zeit wird ja in fast jedem Beruf für Werbung u.ä. aufgewendet. Hier ist das alles umso wichtiger, einerseits (zumindest ist das meine Meinung) aufgrund der Menge von Leuten die hier in diesem Gebiet arbeiten. Ich habe keine genaue Zahl, wie viele TCM-Therapeuten, Qigong-Lehrer und Akupunkteure in San Francisco arbeiten, aber ich vermute, dass es Hunderte sind. Der andere Grund für das vermehrte Augenmerk auf Vermarktung und Werbung ist möglicherweise die schwierige wirtschaftliche Lage derzeit. Leute sind weniger bereit, Geld auszugeben für Behandlungen, die nicht von der Versicherung übernommen werden, also muss die Werbung natürlich dementsprechend sehr überzeugend und eindringlich sein.

An gut organisierter Werbung ist natürlich nichts auszusetzen, allerdings, zumindest so wie es mir hier begegnet ist, führt es oftmals zu einer Verwischung des philosophischen Inhalts. Viele Kurse oder Veranstaltungen, die ich bisher besucht habe, waren mehr um die möglichst eindrucksvolle Darstellung des Meisters und seiner Wundertaten bemüht als um die Demonstration und Vermittlung von tatsächlichen Übungen und Techniken, die für die Teilnehmer einfach nachvollziehbar und vor allem UNABHÄNGIG vom Meister im Alltag ausgeführt werden können.

Natürlich gehören immer zwei dazu und die extreme Begeisterungsfähigkeit der meisten Amerikaner, die ich unter Umständen als sehr liebenswert empfinde, wird ihnen hier zum Verhängnis. Andererseits führt sie manchmal zu beeindruckenden Resultaten! Ich habe nun tatsächlich Leute gesehen, die ihren Arm plötzlich nach 2min Behandlung wieder bewegen konnten nachdem er 2 Jahre unbeweglich war…. deswegen fällt es mir schwer, die ganze Sache als schlecht zu bezeichnen. Schließlich ist es mittlerweile eine weit verbreitete Meinung unter Medizinern, dass der Placebo-Effekt als solcher nicht ganz so stiefmütterlich behandelt werden sollte, da er doch Menschen aufwändige Operationen und belastende medikamentöse Behandlungen ersparen kann.

Trotzdem bin ich mir sicher, dass es sich hierbei nicht um die Art von Qigong handelt, die ich gerne lernen und praktizieren möchte. Eine wichtige Erfahrung ist es denke ich jedoch allemal.

Ein kleiner fachlicher Lichtblick ist jedoch die Einladung, ab und an mal in den Klassen des American College of Traditional Chinese Medicine (ACTCM) beizusitzen. Das werde ich ab nächster Woche tun, wann immer ich Zeit habe.

Während mich meine fachliche Bildung zurzeit zwar weiterbringt, aber nur mittelmäßig begeistert, mache ich gerade die interessante Erfahrung, dass es nicht die großen, wichtigen Ereignisse sind, die im Gedächtnis hängenbleiben, sondern dass es die kleinen Dinge sind, die einen verändern und einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Leute, die man auf der Straße trifft. Ein Lied im richtigen Moment. Szenen des Alltags am anderen Ende der Welt. Momentan glaube ich, dass ich von diesen winzigen Situationen mehr nach Hause nehmen werde, als von dem tatsächlichen Unterricht. Und noch viel wichtiger: ich habe nicht das Gefühl, dass das irgendeinen Unterschied macht.

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