Der Wert eines Kochbuchs

Nach der Kräuterwanderung habe ich dann noch auf einem Stadtfest in Berkeley dieses wunderbare Buch für $1 erstanden:

Schon seit längerer Zeit bin ich immer auf der Suche nach einem guten, d.h. authentischen chinesischen Kochbuch. Zum einen, weil ich chinesisches Essen liebe und zum anderen, weil ich glaube, dass es eine der bekömmlichsten Arten zu kochen ist. Konsequenterweise, schließlich entspringt die chinesische Kochkunst ja demselben Hintergrund wie die Chinesische Medizin – ich brauche glaube ich nicht mehr hinzuzufügen, dass Ernährung und damit auch die Art und Weise des Kochens einen großen Teil der CM ausmacht.

Ich würde sogar soweit gehen, zu behaupten, dass man aus einem authentischen chinesischen Kochbuch eine Menge über die medizinischen Aspekte des Kochens lernen kann! Oder anders gesagt, über die volkstümliche praktische Anwendung der chinesischen Medizin! Voraussetzung hierfür ist es natürlich, dass es neben den bloßen Rezepten einige Informationen zur Art und Weise des Kochens, Essensgewohnheiten, Zubereitungsmethoden und Anwendungsmöglichkeiten liefert.

"Reissuppe ist sättigend, nährend und leicht zu verdauen. Es ist ein exzellentes Nahrungsmittel für Kranke und jene mit Magenproblemen. Ist sie für Kranke gedacht, lass alles Fleisch weg, um die Suppe neutral und fettfrei zu halten." - Kommt das irgendwem bekannt vor? ;)

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Kräuterwanderung – Herbwalk in Berkeley, CA

[english version is in the works…]

Ich muss einen Artikel schreiben, sonst ist der Tag, über den ich berichten will, schon zu lange vergangen! Am Sonntag habe ich an einer Führung durch den Botanischen Garten in Berkeley teilgenommen, mit besonderem Fokus auf die Abteilung für chinesische medizinische Kräuter. Es war ein wundervoller Tag, der Garten ist wirklich sehr umfassend und meiner Meinung nach wesentlich schöner als der San Francisco Botanical Garden! Also wer mal hier in der Gegend ist, sollte den kleinen Kurztrip (hier zu sehen auf der Karte) nach Berkeley wagen und den dortigen Garten besuchen.

Ich hatte das Glück, dass die Gruppe an diesem Tag sehr klein war. Nur Anastacia White, die Leiterin der Kräuterwanderung und ein weiterer Gast waren anwesend, sodass die ganze Unternehmung einen sehr privaten Charakter hatte und dadurch wesentlich intensiver und lehrreicher war als etwa in einer 20-köpfigen Gruppe. Anastacias Art zu unterrichten hat mir wirklich gut gefallen und ich bin ihr sehr dankbar für die Möglichkeit, einen wichtigen Teil der chinesischen Materia Medica einmal live und in Farbe zu erleben.

Das Erlebnis, die Pflanzen auch in ihren verschiedenen Wachstumsstadien zu sehen hat eine neue Dimension zu meinem Verständnis der chinesischen Kräuter hinzugefügt. Ich finde es schwer, dass auszudrücken, aber ich konnte mir immer kaum vorstellen, dass diese ganzen getrockneten Wurzeln, Zweige, Samen und Blätter tatsächlich das Endprodukt einer Pflanze sein sollen, die in anderen Teilen der Welt wächst wie bei uns Beifuß oder Brennnesseln (abgesehen von den seltenen und gefährdeten Kräutern, versteht sich).  Sie wachsen zu sehen hat für mich die gefühlte Kluft zwischen unseren heimischen Kräutern und den asiatischen (und amerikanischen, afrikanischen, usw…) erheblich verringert.

Huang qi - Radix astragali (Quelle: http://chinese.herbs.webs-sg.com/articles_1.html)

Huang qi - Radix astragali (Quelle: http://chinese.herbs.webs-sg.com/articles_1.html)

Huang qi - Astragalus membranaceus

Astragalus membranaceus

Die Fotos sind leider nicht die allerbesten und mit meinem Netbook kann ich sie nicht bearbeiten, aber für den Moment muss es wohl reichen…

Mit Anastacias Hilfe bin ich auch der Beantwortung meiner ewigen Frage, wie die Menschen angefangen haben, die Wirkweise von Kräutern zu entdecken, etwas nähergekommen. Natürlich wusste ich auch schon vorher, dass sich der Charakter der Wirkweise vieler Pflanzen auch in ihrer Erscheinung oder Manifestation ausdrückt, sprich dass man ihnen in einem gewissen Rahmen ihre Qualitäten ansieht. Wenn man einmal die Gelegenheit hat, die frischen Pflanzen anzufassen, zu riechen und zu schmecken, dann weiß man, was damit gemeint ist. Einige Pflanzen fühlen sich einfach kühl und feucht an und man kann sich denken, dass sie vielleicht befeuchten und das yin tonisieren. Oder eine Pflanze hat sehr feine Blätter und Blüten und ein sehr intensives Aroma und man kann sich denken, dass sie vielleicht Nässe und Schleim bewegt oder das qi reguliert.

Interessant war für mich zum Beispiel, dass die Blätter von Dang gui (angelica sinensis) ein bisschen aussehen wie Sellerie und auch sehr ähnlich schmecken. Anastacia hat mir dann erklärt, dass die beiden tatsächlich zu gleichen Familie gehören. Ist also alles gar nicht so anders als das, was bei uns im Garten wächst!

Angelica sinensis

Dang gui - Radix angelica sinensis (Quelle: vertigopower.com)

Weiterhin war es für mich schön zu sehen, wie verschieden die einzelnen Arten einer Pflanze sein können. Mir ist jetzt endlich bewusst, was für einen Unterschied es macht, wenn man die chinesische Variante einer Pflanze verwendet, deren Gattung auch bei uns heimisch ist. Es handelt sich einfach um völlig verschiedene Pflanzen!

Europäischer Weißdorn

Chinesischer Weißdorn - Crataegus pinnatifida

Auf den Bildern ist es zwar nicht ganz so schön zu sehen, aber die Beeren des chin. Weißdorns sind viel größer als unsere. Oft sind die Teile einer Pflanze, die man auch medizinisch nutzt, jene, die am besten entwickelt sind.

Anastacia bietet diese Kräuterwanderung fast jeden Monat an. Sollte ich bis dahin wieder in der Gegend sein, werde ich auch im Dezember daran teilnehmen. Aufgrund des Klimas hier werden zwar eine Menge Pflanzen mehr oder weniger „Winterschlaf“ halten, aber eben nicht alle. Außerdem macht es denke ich auch Sinn, die Kräuter in verschiedenen Stadien zu sehen.

Der erste Monat/ein Rückblick – the first month/a review

[english version is in the works…]

Der erste Monat in San Francisco ist „überstanden“ und ich wage mal den Versuch einer Zusammenfassung… die Zeit vergeht so schnell und ich habe das Gefühl, ich habe alles und nichts erlebt. Ich habe viel über das gelernt, was ich arbeiten und lernen möchte, wenn auch nicht auf die Art, die ich mir erhofft hatte. Bisher ist mein Eindruck von Qigong in dieser Stadt oder in diesem Land sehr unterschiedlich von meinem eigenen Bild davon. Natürlich habe ich noch nicht sehr viel davon gesehen.

Obwohl es mir nicht besonders gefällt, lerne ich sehr viel über Marketingstrategie und andere Sachen, die wichtig sind für das Geschäft. Das ist natürlich sehr wichtig, ein Großteil der Zeit wird ja in fast jedem Beruf für Werbung u.ä. aufgewendet. Hier ist das alles umso wichtiger, einerseits (zumindest ist das meine Meinung) aufgrund der Menge von Leuten die hier in diesem Gebiet arbeiten. Ich habe keine genaue Zahl, wie viele TCM-Therapeuten, Qigong-Lehrer und Akupunkteure in San Francisco arbeiten, aber ich vermute, dass es Hunderte sind. Der andere Grund für das vermehrte Augenmerk auf Vermarktung und Werbung ist möglicherweise die schwierige wirtschaftliche Lage derzeit. Leute sind weniger bereit, Geld auszugeben für Behandlungen, die nicht von der Versicherung übernommen werden, also muss die Werbung natürlich dementsprechend sehr überzeugend und eindringlich sein.

An gut organisierter Werbung ist natürlich nichts auszusetzen, allerdings, zumindest so wie es mir hier begegnet ist, führt es oftmals zu einer Verwischung des philosophischen Inhalts. Viele Kurse oder Veranstaltungen, die ich bisher besucht habe, waren mehr um die möglichst eindrucksvolle Darstellung des Meisters und seiner Wundertaten bemüht als um die Demonstration und Vermittlung von tatsächlichen Übungen und Techniken, die für die Teilnehmer einfach nachvollziehbar und vor allem UNABHÄNGIG vom Meister im Alltag ausgeführt werden können.

Natürlich gehören immer zwei dazu und die extreme Begeisterungsfähigkeit der meisten Amerikaner, die ich unter Umständen als sehr liebenswert empfinde, wird ihnen hier zum Verhängnis. Andererseits führt sie manchmal zu beeindruckenden Resultaten! Ich habe nun tatsächlich Leute gesehen, die ihren Arm plötzlich nach 2min Behandlung wieder bewegen konnten nachdem er 2 Jahre unbeweglich war…. deswegen fällt es mir schwer, die ganze Sache als schlecht zu bezeichnen. Schließlich ist es mittlerweile eine weit verbreitete Meinung unter Medizinern, dass der Placebo-Effekt als solcher nicht ganz so stiefmütterlich behandelt werden sollte, da er doch Menschen aufwändige Operationen und belastende medikamentöse Behandlungen ersparen kann.

Trotzdem bin ich mir sicher, dass es sich hierbei nicht um die Art von Qigong handelt, die ich gerne lernen und praktizieren möchte. Eine wichtige Erfahrung ist es denke ich jedoch allemal.

Ein kleiner fachlicher Lichtblick ist jedoch die Einladung, ab und an mal in den Klassen des American College of Traditional Chinese Medicine (ACTCM) beizusitzen. Das werde ich ab nächster Woche tun, wann immer ich Zeit habe.

Während mich meine fachliche Bildung zurzeit zwar weiterbringt, aber nur mittelmäßig begeistert, mache ich gerade die interessante Erfahrung, dass es nicht die großen, wichtigen Ereignisse sind, die im Gedächtnis hängenbleiben, sondern dass es die kleinen Dinge sind, die einen verändern und einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Leute, die man auf der Straße trifft. Ein Lied im richtigen Moment. Szenen des Alltags am anderen Ende der Welt. Momentan glaube ich, dass ich von diesen winzigen Situationen mehr nach Hause nehmen werde, als von dem tatsächlichen Unterricht. Und noch viel wichtiger: ich habe nicht das Gefühl, dass das irgendeinen Unterschied macht.

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