My Entrümpelung

[english version is in the works…]

Was haben nun meine Umzugsaktivitäten mit Chinesischer Medizin zu tun? Das Konzept des Abwerfens von Ballast hat die CM natürlich nicht für sich gepachtet. Jeder Mensch kennt das befreiende Gefühl nach einer ordentlichen Entrümpelung. Das liegt nicht unbedingt daran, dass wir weniger Sachen besitzen als vorher. Das gute Gefühl entsteht durch die wiederhergestellte Kontrolle, den Überblick über unseren eigenen Besitz. Wie so oft ist auch hier nicht die Quantität der Dinge, die wir besitzen, entscheidend, sondern der Umgang mit der Gesamtheit unseres Eigentums in unserer unmittelbaren Umgebung.
Durch die Möglichkeit der Nutzung unseres Wohnraums als Lagerungsort sammelt jeder von uns unweigerlich eine ganze Reihe an ungenutzten Dingen an. Manchmal fehlt die Zeit, den Nutzen einer Sache unmittelbar nach ihrem Erhalt einzuschätzen und so ihre Zukunft im Haushalt zu bestimmen, also wandert es in einer Schublade, Abstellkammer, einen Keller oder Dachboden.
Genauso geschieht es oft mit kaputten, unbrauchbaren oder gar unliebsamen Dingen. Oder auch mit Gegenständen, die wir aus purer Gewohnheit behalten. Aus den Augen, aus dem Sinn, denken wir. Ganz so einfach funktioniert es dann aber doch nicht, denn nichts, was sich in unserem Einzugsbereich befindet, können wir einfach so vergessen. Unterbewusst wissen wir, dass es da ist, nur nicht mehr genau, wo es sich befindet, in welchem Zustand es ist und wie wir damit verfahren sollen.
Kurz gesagt, ein kleiner unbewusster Teil unserer Aufmerksamkeit ist immer auf diese Dinge gerichtet, die sich in Unordnung befinden. Und das ist erschöpfend, nicht massiv, aber dennoch stetig.

Deshalb raten wir Schülern und Klienten häufig, eine „Ballast-Inventur“ zu machen, um diese Stagnationen zu beseitigen. Denn für einen Heilungsprozess jeglicher Art sind Stagnationen, egal ob innerhalb des Körpers oder in der auf uns wirkenden Umwelt, immer hinderlich. Das heißt nicht, dass man krank wird, nur weil die Wohnung unaufgeräumt ist. Es heißt aber schon, dass eine klare, geordnete, überschaubare Umgebung uns nicht so viel Energie abverlangt und damit besser mit den eigenen Reserven gehaushaltet werden kann.
Was Ballast nun tatsächlich ist, ist natürlich sehr individuell. Kaputte Geräte sind für die meisten Leute Ballast. Für den Sammler, Bastler oder Erfinder können sie zum Beispiel das Gegenteil sein, je nachdem ob sie sich tatsächlich aktiv damit beschäftigen, oder nicht. Außerdem geht es insgesamt wie gesagt nicht um die bloße Reduktion von Besitz, sondern darum, das Fließen, die Veränderlichkeit auch auf dieser Ebene zu erhalten und zu fördern.
Ein paar grundsätzliche Regeln kann man jedoch annehmen. Ballast ist demnach:

1. Alles, was ich nicht liebe UND nicht brauche.
2. Alles was ungeordnet ist.
3. Alles was nicht funktioniert.
4. Alles, was verschmutzt ist.

Wie ihr seht, sind also zum Beispiel Dinge, die ich nicht brauche, die mir aber lieb sind, kein Ballast. Für Dinge, die wir lieben, können wir mehr Aufwand erbringen, weil wir es gerne tun und wir auf irgendeiner Ebene etwas zurückbekommen. Man kann sich schon denken, dass all dies natürlich nicht nur für Gegenstände gilt. Alles, was wir nach diesen Regeln als Ballast einstufen, müsste also in Ordnung gebracht, oder eben entsorgt werden.
Hierbei gibt es dann verschiedene Herangehensweisen. Ich selbst bin ein großer Anhänger der Radikalentrümpelung: Alles an einem, maximal zwei Tagen auf den Kopf stellen, jedes Ding anschauen und am Ende alles wieder ordentlich hinräumen, aber nur mit den Dingen, die ich wirklich behalten will. Funktioniert super, das Gefühl hinterher ist toll, ist aber sehr anstrengend und man benötigt eine Menge Zeit.
Mit einer anderen Variante freunde ich mich derzeit an. An jedem Tag versuche ich ein Stück Ballast loszuwerden. Täglich eins. Das kann ein herumliegendes Stück Papier sein, aber auch ein ganzes Möbelstück, dass ehrlich gesagt nur im Weg rumsteht. Zusätzlich entsorge ich zwei Sachen, für alles, was ich an Neuem anschleppe. Wahrscheinlich eher unbewusst habe ich das bei Kleidung schon immer so gemacht. Für jedes neue T-shirt hab ich so ein bis zwei alte eigentlich nicht mehr angezogen und dann auch irgendwann entsorgt. Diese Methode eignet sich hervorragend, wenn man bis zum Hals in Kram steckt und man das Gefühl hat, den Überblick verloren zu haben. Wenn man einfach nicht weiß, wo man anfangen soll. Kleine Schritte, jeden Tag eine Sache entsorgen, in Ordnung bringen, reparieren. Nach und nach lichtet sich der Dschungel. Auch gut, wenn
man keinen kompletten Tag in die Entrümpelung investieren kann, so wie ich gerade.
Übrigens schreibe ich diesen Text gerade an einem wunderschönen See. Ich liebe mein neues Netbook! Wenn ihr jetzt denkt, ich hätte an einem See nichts besseres zu tun, dann habe ich zwei Ausreden: Das Wetter ist sehr mittelprächtig und ich bin lediglich zu früh zur Arbeit dran aufgrund meiner Erfolge als Anhalterin. Danke an die beiden Autofahrer, die sogar Umwege für mich gefahren sind.

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