Hirtentäscheltinktur – Shepherd’s purse tincture

[english version below]

Inspiriert von der Kräuterwanderung am Wochenende, habe ich mich dann auch mal wieder selbstständig mit unseren heimischen Kräutern beschäftigt und eine Hirtentäscheltinktur angesetzt. Hirtentäschel fällt aus Sicht der Chinesischen Medizin in die Kategorie Xue bewegende und blutstoppende Kräuter. Für unsere Tinktur ist vor allem diese blutstillende Wirkung bekannt, weshalb sie auch eigentlich in jede Hausapotheke gehört.
Hirtentäschel kann auch als Tee bei innerlichen Blutungen angewendet werden, sowie bei Blut im Stuhl, im Urin oder auch im Auswurf. Die aber wohl nützlichste Anwendungsweise ist es, frisch zerkauten Hirtentäschel auf eine blutende Wunde (z.B. leichte Schnittwunde) zu legen, um dieser Einhalt zu gebieten.Dies sollte selbstredend niemanden davon abhalten, einen Krankenwagen für schwere Blutungen zu rufen.

Source: Culpepper's Complete Herbal

Hat man keinen frischen Hirtentäschel zur Hand, oder lässt die Jahreszeit seine Ernte nicht zu, so macht die Herstellung einer Tinktur allein schon aus Halbarkeitsgründen Sinn. Außerdem kommt hier durch den Alkohol eine gewisse desinfizierende Wirkung hinzu.
Für meine Tinktur habe ich außerdem auch noch Beifuß und Schafgarbe verwendet. Beide bewegen das Xue und kontrollieren Blutungen, wobei der Beifuß noch eine gewisse schmerzlindernde Wirkung hat, welche uns ja bei der Behandlung von blutenden Wunden ebenfalls zugute kommt. Beifuß ist sowieso ein ganz tolles Kraut und wächst bei uns an jeder Ecke. Dazu später mehr.
Eine Tinktur herzustellen ist denkbar einfach. Man benötigt:

– ein Gefäß zum Ansetzen der Tinktur
– frische Kräuter, die etwa die Hälfte bis zwei Drittel dieses Gefäßes füllen
– alkoholische Flüssigkeit, 30-40%ig, am besten Wodka
– eine dunkle Flasche oder ein dunkles Glas zum aufbewahren der Tinktur

Mugwort, yarrow, vodka and shepherd's purse

Man zerschneidet nun die frisch gesammelten Kräuter und füllt sie in dem gewünschten Verhältnis in das Gefäß. Je nach Bedarf und Kenntnis können Einzelkräuter oder ganze Formeln verwendet werden. Eine Konbination von Kräutern kann manchmal sicherer sein als ein Einzelkraut! Dies übergießt man dann mit dem Wodka. Die Kräuter absorbieren einen Teil der Flüssigkeit, man muss also evtl. mit der Zeit etwas nachgießen. Das Ganze wird nun für 14 Tage an einem warmen Ort gelagert, wobei es täglich ein wenig geschüttelt werden sollte, da sich sonst eine isolierende Ummantelung um die Kräuter bildet. Nach zwei Wochen ist die Tinktur fertig und kann durch ein Baumwolltuch o.ä. abgeseiht
werden. Am besten man füllt sie nun in ein dunkles Gefäß und lagert sie an einem relativ lichtgeschützten Ort. Auf diese Art und Weise ist eine Tinktur mehrere Jahre lang haltbar.
Bei dem nächsten Küchenunfall dann einfach ein bisschen Hirtentäscheltinktur drauf, Zähne zusammenbeißen und die Blutung sollte dann ziemlich schnell stoppen. Bedenke, dass dies nur geeignet ist für relativ milde Schnitte und Wunden.

Inspired by the herbwalk at the weekend, I have been dealing with local herbs on my own and prepared a shepherd’s purse tincture. shepherd’s purse from the Chinese Medicine point of view moves the xue and stops bleeding. For our tincture this blood stopping effect is commonly known and therefore it belongs into every home medicine chest.
As a tea or decoction it is also applied for internal bleedings, as well as in blood in the urine, stools or sputum. The probably most handy application is putting the freshly chewed herb onto a bleeding wound (like a small cut, for example), to stop the bleeding immediately. This should of course not keep you from calling an ambulance for heavy bleeding.
If there’s no fresh shepherd’s purse around or the season doesn’t allow the harvest of it, the preparation of a tincture really makes sense for the reason of storage life. Especially if you want to use is for cuts and the like, the disinfectant effect of the alcohol is also beneficial.
For my tincture I also used mugwort and yarrow. Both move the xue and control bleedings mugwort also has some kind of a pain relieving effect. Mugwort is a really great herb and literally grows on every corner. But more about that later.
Making a tincture is really easy. You need:

– a container for preparing the tincture
– fresh herbs that fill up half to two thirds of the container
– alcoholic liquid, 30-40% alcohol, vodka is fine
– a dark bottle or glas for storage

You cut the freshly collected herbs and put them in the container in the desired proportions. Depending on your intentions and level of herb-knowledge you can use single herbs or whole formulas. Using a combination of herbs is sometimes safer than using a single one! Now you pour the vodka over the herbs and close the container. Keep in mind that the herbs will absorb some of the fluid, so you might have to add more later. Now you should store this in a warm place for 14 days and remember to give it a shake every now and then, to keep the herbs from building up a coating around them. After two weeks the tincture is ready to be filtered through a cloth and filled into the bottle or glas you want to keep it in. If you store it in a relatively dark place it will be preserved for a couple of years.
So for the next kitchen accident put some shepherd’s purse on it, grit your teeth and the bleeding should stop pretty quickly. Remember that this is meant for relatively mild cuts and wounds.

Kräuterwanderung – Herbwalk

[english version below]

Herbwalk in the beautiful meadows of my home.

Durch meine Teilnahme an einem einjährigen Kurs zum Thema regionale Heilkräuter aus der Sicht der Chinesischen Medizin hatte ich gestern die große Freude an einer geführten Kräuterwanderung teilnehmen zu können. In der letzten Zeit hat sich bei mir ein deutliches Interesse herauskristallisiert, nicht nur für die professionelle medizinische Anwendung von Nahrungsmitteln und Heilkräutern, sondern vor allem auch für deren Nutzen im Alltag, d.h. bezüglich Hausapotheke, der therapeutischen Wirkung verschiedener Nahrungsmittel und Erste Hilfe oder Notfallmethoden. Somit hat dann auch zum Beispiel dieses Buch auf dem Rothenburg Kongress sofort meine Aufmerksamkeit erregt und ohne lange zu fackeln den Weg in meinen Bücherschrank gefunden. Es geht im Grunde um die einfache und sichere Verwendung klassischer chinesischer Kräuter aber auch in jedem Haushalt zu findender Lebensmittel für den Hausgebrauch bei den unterschiedlichsten Beschwerden. Ich finde, das ist erstens exzellent zum studieren der Kräuter geeignet, da die angegebenen Dosen und Kombinationen bei halbwegs korrekter Musteridentifikation relativ ungefährlich sein dürften (trotzdem wahrscheinlich nicht zu unterschätzen!) und gehört zweitens zu der Art von Wissen, die auf keinen Fall verloren gehen darf. Über meine Erfahrungen damit werde ich sicherlich berichten. Wer Buchtips oder anderweitige Hinweise in der Richtung für mich hat, immer nur her damit.

Bei unserer Wanderung in meiner schönen Heimat war ich als Kräuterneuling auf jeden Fall sehr überrascht, welche unheimliche Vielfalt an nützlichen Kräutern so auf dem gemeinen Weg- und Wiesenrand wächst. Ich kann es kaum erwarten, mich immer weiter in dieses Thema zu stürzen und dieses Potenzial irgendwann kreativ für mich nutzen zu können. Besonders angesichts unserer heutigen pharmakologischen Situation ist es für mich, auch wenn das etwas übertrieben klingen mag, eine Sache des Überlebens, mich mit diesen Dingen zu beschäftigen, gewährt es doch eine gewisse Unabhängigkeit gegenüber möglicherweise voreiliger und evtl. unangemesser Medikation seitens der Schulmedizin (im wohl betonten Gegensatz zur rechtzeitigen und angemessenen Medikation, die ich hier keinesfalls verteufeln möchte).

In the course of my participation in a herb class focused on regional european herbs from the viewpoint of chinese medicine, it was my greatest pleasure to take part in a guided herb walk yesterday. During the last couple of month my interest not only in the professional medical application of herbs has increased, but also and especially their possibilities of usage in daily life, as in simple home remedies for all kinds of ailments, the therapeutical effect of foods, or first aid or emergency methods.

That’s why this book immediately caught my attention at the Rothenburg and soon found its way onto my bookshelf at home. Basically it is about the safe and simple application of classical chinese herbs and even foods you find in every household using very simple combinations. I think this is excellent for studying herbs since the combination and dosages should be, a reasonably correct pattern discrimination provided, not that dangerous or even toxic (although I also think you should never underestimate a herb that you don’t know). Secondly in my opinion this belongs to the kind of knowledge that has to be preserved and developed. I will propably keep you informend about my experiments with these recipes. If you have any book recommendations or other advice regarding this matter, please share!

During our herbwalk in my beautiful home I as a herb-newbie was kind of surprised what enourmous variety of useful stuff is growing right at the most common waysides and meadows. I really can’t wait to dig into this topic and someday to be able to use this potential in a creative way. Especially facing our pharmacological situation today for me, although this might sound exaggarated, learning these things is a matter of survival. What you get is some kind of independence of possibly overhasty and inappropriate western medication (as opposed to well-timed and appropriate western medication of course that I really don’t want to demonize).

Die Thammavong Schule

Grundsätzlich möchte ich meinen Blog ja frei von Werbung halten, aber gute Orte möchte ich euch ja schon empfehlen. Deswegen möchte ich an dieser Stelle mal anmerken, dass die Website der Thammavong Schule für Klassische Chinesische Medizin, Kung Fu und Qigong nun in völlig überarbeiteter Form der Öffentlichkeit zugänglich ist. Schaut doch mal vorbei, wenn ihr Lust habt.

 

As a rule I would like to keep my blog free of advertisement. Still I want to recommend good places to you. That’s why I want to use this opportunity to introduce to you the very new and in style website of the Thammavong School for Classical Chinese Medicine, Kung Fu and Qigong. Check it out if you are interested. Unfortunately, the website is currently only available in German. There are a lot of pictures, though…:-)

English Flapjacks

Nach den ganzen Artikeln über Rothenburg hier nun mal das versprochene Flapjack-Rezept. Aufgrund meiner zuvor schon erwähnten Ernährungsumstellung habe ich ja wie gesagt verschiedene Süßigkeiten-Rezepte ausprobiert, um trotz des Verzichts auf Raffinadezucker etwas Süßes essen zu können. Hier findet ihr die Texte über die verschiedenen Alternativen zum normalen Zucker.
Flapjacks sind eine tolle Idee. Sie schädigen die Erde nicht, weil man sie mit Sirup und braunem Zucker backen kann und man kein Weizenmehl benötigt, welches in seinem heutigen überzüchteten Zustand von unserer Verdauung nur schwer zu verarbeiten ist. Dazu aber später eventuell mehr.
Ich habe dieses Rezept hier verwendet, es gibt aber viele verschiedene und ich bin sicher, dass die alle irgendwie funktionieren (Quelle: http://www.chefkoch.de):

– 225 g Haferflocken

– 85 g brauner Zucker

– 150 g Butter

– 20 g Zuckerrübensirup

Dann einfach die Haferflocken mit dem Zucker mischen. Die Butter in einem Topf schmelzen lassen und den Sirup dazugeben. Dies dann über die Haferflocken gießen, alles gut durchrühren und in einer Backform, am besten mit Backpapier gut andrücken. In den Ofen damit und backen, bis die Butter schön geschmolzen ist und das alles goldbraun aussieht. In noch warmem Zustand in Stücke schneiden und abkühlen lassen.

Man kann alles an Nüssen, Trockenfrüchte, Samen etc. hinzufügen, was einem so einfällt. Mir selbst schmecken sie am besten pur oder mit ein paar Sesamsamen hineingemischt.
Achtet darauf, beim Sirup wirklich echten Zuckerrübensirup zu verwenden und keinen Invertzuckersirup, denn bei dem handelt es sich nur um wieder zurückkaramellisierten Raffinadezucker (steht auf der Verpackung drauf). Und was den Zucker angeht, versucht, den klebrigsten Vollrohrzucker zu nehmen, den ihr finden könnt (keinen Rohrohrzucker!). Im Reformhaus oder Bioladen gibt es verschiedene Varianten, den superklebrigen Melassezucker
gibt es bei uns in Deutschland nicht, zumindest nicht, dass ich wüsste.
Diese Haferkekse sind ein super Snack-Rezept und eignen sich perfekt für zwischendurch. Wir empfehlen sie oft Klienten, die nach einer verträglichen Zwischenmahlzeit für die Arbeit suchen.
Sie sind auch meiner Meinung nach kein Pseudo-Süßigkeiten-Ersatz sondern schmecken wirklich sehr lecker und solange ich immer ein paar davon vorrätig habe, hält sich der Heißhunger auf Ultrasüßes echt in Grenzen.
Ich selbst hatte immer ein bisschen Angst vor dem Backen aufgrund früherer Misserfolge, aber das hier ist wirklich kinderleicht und schnell gemacht, so dass ich mich mittlerweile sogar wieder an Kekse herangetraut habe…
Lasst es euch schmecken!

English flapjacks

After all these articles about Rothenburg now the promised flapjack-recipe (not pancakes!!). Because of my change in diet I mentioned before I experimented with some sweet recipes, to be able to eat something sweet even if avoiding white refined sugar. These are the articles about the different kinds of sugar and the alternatives.

English flapjacks are a great idea. They don’t harm the earth because you can bake them with syrup and dark brown soft sugar and you don’t need any wheat flour, which is hard to digest because it changed so much in its molecular structure over the centuries due to overbreeding. But we’ll talk about that later.
I used this recipe, but there are many more and I’m sure they all work somehow (source: http://www.chefkoch.de):

– 225 g oatmeal
– 85 g dark brown soft sugar
– 150 g butter
– 20 g sugar beet molasses

Now just mix the oatmeal and the sugar. Melt the butter in a pot and add the molasses. Pour it over the oatmeal and mix well. Now just press into a baking pan, it works best using baking parchment, and bake until all the butter is molten and everything has a nice goldbrown colour. Remove from the oven, let it cool a little and cut to pieces while still warm.

You can add anything you can think of that is somehow nut-like, seed-like or dried fruits. Pure is how I like them best, or with some added sesame seeds.
Be careful to use real syrup or even molasses, no inverted sugar! And try to use the real dark brown soft sugar because it is the least refined kind. I have to explain all this, because in Germany you don’t have this kind of sugar in a normal grocery store. I think in the states or on England you can find it more easily and its usage is more common.
These oatmeal snacks are an excellent recipe for the small meals during the day and we often recommend them to clients who are looking for a snack for the breaks at work that is mild and easy to digest. Also, in my opinion they are not like a pseudo-sweet-substitute, but they are really tasty and as long as I have some of them in the house I can keep the exaggerated hunger for sweet stuff at bay.
I have always been a little afraid of baking because of some former discouraging experiences, but this is really easy and quickly made and after a while even I was confident enough to try some real cookies…
Enjoy your flapjacks!

Rothenburg #3 – Jeffrey Yuen

Der Referent, der mich auf dem TCM Kongress in Rothenburg wohl am meisten beeindruckt hat, war Dr. Jeffrey Yuen. Sowohl seine fachliche Herangehensweise, als auch seine Art, vorzutragen, hat mir sehr gut gefallen. Ich hatte sogar die Gelegenheit, mich kurz mit ihm zu unterhalten und mir eine Akupunkteurin in San José, Kalifornien empfehlen zu lassen, die ich im Zuge meiner Reise in die USA sicherich kontaktieren werde.

The lecturer that probably impressed me the most at the Rothenburg Congress was Dr. Jeffrey Yuen. I enjoyed both his professional way of thinking and the way he held his speech. I even had the chance to talk to him briefly and he recommended a practitioner in San José that I will definitely check out in regard of my trip to the US.

Dr. Jeffrey Yuen, source: http://www.daoisttraditions.com

Zuerst hörte ich einen kurzen Vortrag von Dr. Yuen auf dem Plenum am Samstag vormittag zum Thema „Vergessene Traditionen und Modalitäten in der Chinesischen Medizin“. Er sprach sehr eindrucksvoll über die verschiedenen Arten der TCM-Lehre, nämlich erstens dem Lernen in einem akademischen Umfeld, was ja in Europa vorwiegend so gestaltet ist, zweitens dem Lernen in einem privateren Umfeld mit einem tatsächlichen Mentor-Schüler Verhältnis und drittens der geheimen Weitergabe des Wissens mit einem Meister-Schüler-Verhältnis, bei dem der Schüler tatsächlich Einblick hat in die Lebensweise des Meisters und evtl. sogar mit ihm zusammen lebt. Ich hatte bzw. habe ja das Glück, meine Ausbildung wie in der zweiten Variante genannt zu genießen und war sehr glücklich über die Aussage Dr. Yuens, dass es ein großes Missverständnis sei, die TCM als ein einheitliches Konzept zu betrachten. Er betonte die vielen individuellen Arten des Verständnisses und der Anwendung der CM und die Wichtigkeit der beständigen Horizonterweiterung durch die Beschäftigung mit anderen Herangehensweisen.

I first heard a short speech by Dr. Yuen at the plenary on Saturday morning. He was talking about „Forgotten Traditions and Modalities in Chinese Medicine“ and presented the different ways of studying the science that is Chinese Medicine. First, there is of course the academic environment, which represents the common way to study in Western Europe. Then there is the personal relationship between one or a couple of students and a teacher in form of a mentorship. And then there is of course the secret way of passing on knowledge from a master to a student, where the student (traditionally) lives together with the master and mirrors certain aspects of his lifestyle.
Since I was lucky enough to complete my education in the second way, I was very happy that he said that the thought of a standardized Chinese Medicine is a big misunderstanding, that it could never be standardized for there are too many individual ways of understanding and also practicing Chinese Medicine. He recommended everyone to look beyond these standardized ways of studying to grasp the immense volume and intensity that Chinese Medicine can have
(this also really backed me up in my plans to travel the US and visit other schools and practitioners just to get a broader view).

Sein eigentlicher Vortrag war dann zum Thema Depressionen, einem der Hauptthemen des Kongresses und hat mich auch nochmal zur Beschäftigung mit dem Thema angeregt. Interessant fand ich die Erklärung über die Schriftzeichen: Das Schriftzeichen für „Emotion“ setzt sich zusammen aus den Zeichen für „Herz“ und „zu reinigen“. Eine Depression ist demnach die Krankheit der Person, die nicht in der Lage ist, ihr Herz durch die Emotionen zu reinigen.

Emotion, Source: http://www.chinalink.de

His actual lecture on Saturday afternoon was about depression from the viewpoint of Chinese Medicine and was also very inspiring. He explained the Chinese character for „emotion“ that interestingly consists of the character „heart“ and „to cleanse“ or „to purify“. Emotional activity is the process of cleansing the heart through that emotion. A depression is therefore the disease of a person that is not able to cleanse the heart through the emotions, they „get stuck“ and cannot transform properly.

Auf dieser Grundlage handelte der Vortrag dann von der Diagnose der unterschiedlichen Arten der Depression und ihrer Behandlung auf verschiedenen Ebenen. Erwähnenswert vielleicht der Aspekt der Erde-(Milz)-Tonisierung, die immer angebracht zu sein scheint, da sämtliche emotionale Aktivität ja auf eine Art ein Transformationsprozess ist und damit zum Teil von Erde kontrolliert wird. Noch viele weitere Inhalte seines Vortrages fand ich sehr faszinierend, sprengen aber absolut den Rahmen dieses Blogs.

He also discussed diagnosis of the different kinds of emotions, different stages and different levels and introduced the correct treatment modalities for certain cases. His approaches to emotional problems were very interesting and his explanations very imaginative, but this absolutely is too much to write about for this humble blog. One mentionable aspect maybe was the fact that you almost always have to support the earth-(spleen)-transformation when treating depression, since emotional activity is nothing more the transformation of input on another level than digestion.

Jeffrey Yuen ist auf jeden Fall jemand, dem ich gerne noch einmal wieder begegnen möchte. Vielleicht nächstes Jahr in Rotheburg. Das soll nun auch erstmal genug gewesen sein zum Thema TCM-Kongress.

I really hope that I will have the chance to hear another lecture of him, maybe next year in Rothenburg. But this article is supposed to be the last one about the congress.

Die Feuerschule – The Fire School

[english version below]

Ich wurde heute an anderer Stelle gefragt, was denn genau die Feuerschule nun ist, und habe dazu noch einen etwas ausführlicheren Text verfasst, oder besser gesagt, ihn mir gezwungenermaßen in 5 Minuten aus den Fingern gesaugt. Trotzdem wollte ich ihn euch nicht vorenhalten. Natürlich kann ich das nur so erklären, wie ich es anhand von 2 Vorträgen verstanden habe.
Es gibt ja verschiedene fachliche Richtungen in der Chinesischen Medizin, die sich über die Jahrhunderte entwickelt haben, ganz je nach dem, wie die Leute und die Gesellschaft in der jeweiligen Zeit so drauf waren. Die einen haben dann mehr Wert gelegt auf das Tonisieren, die anderen auf das Sedieren, Wärmen, Kühlen und so weiter. Meistens geht es dabei um Kräuter. Und so im 19./20. Jahrhundert ist die Feuerschule entstanden, nach deren Ansicht in unserer Wohlstandsgesellschaft von heute der Hintergrund für viele Krankheiten ein Mangel von prim. yang ist. Deswegen konzentrieren die sich viel auf das Wärmen und Tonisieren von yang und benutzen viele sehr heiße Kräuter, oft in hohen Dosen. Natürlich ist es genauso wichtig, ein richtiges Muster zu machen und es werden in den entsprechenden Fällen auch andere Kräuter angewendet. Interessant war aber, dass man also auch bei Mustern mit Hitze-Zeichen wärmende Kräuter geben kann, solange der Hintergrund dafür ein Mangel an yang ist.
Und da wurde es dann interessant, denn Gunter Neeb hat dann das Muster „yin-Feuer“ erklärt, was nicht zu verwechseln ist mit Leere-Hitze, sondern vielmehr eine Hitze durch yang-Mangel beschreibt.
Kurz gefasst: Wenn das prim. yang mangelt und das yin relativ überwiegt, kann das übrige yang nicht ankämpfen gegen das viele yin und sucht sich einen anderen Platz im Körper, d.h. verhält sich entsprechend seiner physikalischen Natur und steigt auf. Typisches Zeichen hierfür sind Kälte- und Mangelzeichen im unteren Körperbereich und Hitzezeichen oben, bzw. außen (Haut!) – Zitat Kiiko Matsumoto: „Gesundheit bedeutet: Warme Füße und ein kühler Kopf, nicht umgekehrt!“ Mythologisch bezeichnet man das als den Drachen, der aus dem Wasser aufsteigt (der aber eigentlich ins Wasser gehört, das Feuer soll ja das Wasser wärmen).
So. Laut der Feuerschule ist es nun so, dass man, wenn man so ein Problem mit kühlenden Kräutern behandelt, durchaus Erfolg haben kann, wenn die Person noch relativ vital ist. Wenn die Person aber geschwächt ist, oder das Problem zurück kommt und man nimmt wieder kühlende Kräuter, dann kann das eigene yang nicht mehr so gut „mithelfen“, die kühlenden Kräuter schwächen weiter und es hilft alles nichts.

Fu Zi (aconite)

Deswegen sagen die, dass man manchmal in so einem Fall wärmen und yang tonisieren muss. Am bekanntesten hierfür sind präparierter chin. Eisenhut (Fu Zi – auf Qualität, Verarbeitung und richtige Zubereitung und Dosierung achten, einfach so ist der Eisenhut sehr toxisch), Zimtrinde (Rou Gui) und getrockneter Ingwer (Gan Jiang). Wichtig ist noch, dass die Feuerschule auch sagt, dass man nicht zu kleine Dosen nehmen darf. Wenn die Dosis zu gering ist, ist alles was passiert, dass die Hitze noch ein bisschen zunimmt, weil man zu der ohnehin schon zu kleinen Armee, die nach oben flüchtet, nur noch ein paar Soldaten hinzufügt, die dann mitflüchten. Deswegen dosieren die manchmal diese Kräuter unheimlich hoch, damit diese Armee so sehr gestärkt wird, dass die die Wärme sozusagen wieder nach unten holen kann. Das unterstützt man dann noch manchmal zum Beispiel mit mineralischen Kräutern oder den ganzen Muscheln die es so gibt und man nennt es „den Drachen wieder ins Wasser locken.“ Da gibt es dann für die Formelkombination ganz viele Möglichkeiten.
So hab ich das verstanden und Gunter Neeb hat aber immer wieder betont, dass das natürlich nciht das einzige ist, was die Feuerschule macht, wenn man z.B. eine echte Fülle-Hitze hat, oder eine yin-Mangel Leere-Hitze, dann macht man natürlich was anderes. Außerdem liegt das Problem hierbei wirklich in der korrekten Diagnose, denn die verschiedenen Arten von Hitze und auch die verschiedenen Stadien von yin-Feuer sind nicht immer so leicht zu unterscheiden.

Auf jeden Fall ein interessanter Ansatz, wenn man weiß, wann und in welcher Form er zu benutzen ist!

Today a friend asked me what exactly the fire school is and so I wrote another text about it, which I was forced to do in about 5 minutes, but I just don’t want to hide it from you (of course I had a little more time for the translation, so I hope it’s not that bad). Please note that I’m only explaining what I heard in two lectures and can only express my view of it to a certain extent.
There are many professional and philosophical branches, even within the field of Chinese Medicine, that developed over the centuries depending on the situation of the society at that time and the way people lived. One school put more emphasis on tonifying, others
were focused on sedation, cooling or warming and so on. These approaches were mostly applied in herbal therapy, but also acupuncture and moxibustion. And so, during the 19./20. century the fire school was developed, stating that in our affluent society today the main background for many diseases (or disharmonies, as we call it in CM) is a deficiency of the primordial yang (mostly known as kidney-yang). Therefore practitioners following this school were focused on the usage of very warm and tonifying herbs, to promote that original yang-energy, often in very high doses. Of course it is just as
important to distinguish the right pattern and use the appropriate strategy for that pattern, applying all kinds of herbs (the cooling ones as well). Now the interesting aspect is that you can use warm herbs even in a pattern with signs of heat, as long as the background
is a yang-deficiency.
Here Gunter Neeb introduced the pattern „yin-fire“ which is not to be mixed up with empty heat but describes a pattern of internal heat through a weakness of the primordial yang.
In a nutshell: If the primordial yang is weak and there is a relative excess of yin the leftover yang cannot compete with the yin and is „fleeing“ to another place in the body, i.e. acts according to its physical nature and ascends. Typical symptoms are signs of cold in the lower or inner parts of the body and signs of heat in the upper or outer parts (skin!) – quoting Kiiko Matsumoto: „Good health means warm feet and a cool head, not vice versa!“
Mythologically we call this the dragon that ascends from its place in the water (the fire has to warm the water).
According to the fire school you can treat a person quite successfully with cooling herbs as long as his or her vitality is still relatively intact. If there’s already a lack of vitality or if the problem is recurring and one uses cooling herbs again, the person’s yang can’t really „support“ the fight against the pathogenic factor, the cooling herbs weaken the body even more and the results of the treatment are not really satisfying.

That is why they say that in cases like this one might want to consider the usage of warm and tonifying herbs. Characteristic of the fire school approach are prepared chinese aconite (fu zi – mind the quality, preparation and dosage, unprepared aconite is quite toxic), cinnamon bark (rou gui) and dried ginger (gan jiang). It’s also important to notice, that the fire school suggests not to take too small doses. If the dose is too small, all that happens is that the heat signs grow worse, because you just add a couple of soldiers to the army that is already to weak and they will just join the others in their flight. What they need is an actual reinforcement. So what you do is apply a really high dosage to strengthen the army of the lower burner so that all the heat can come back down to the place that it belongs. This is supported by some herbs from the mineral kingdom or the many kinds of mussels you use in Chinese Medicine. This is what you call „to lure the dragon back into the water“.
Of course there are a lot of possibilities to create different formulas.
This is my understanding of the fire school so far. Gunter Neeb always stressed the point that this is of course not the only thing that the fire school does. If you have a real massive heat in the body or
if the heat is due to yin-deficiency empty heat you would always use different approaches and different herbs. The difficulty lies in the correct diagnosis and pattern discrimination because the different
kind of heat and also the different stages of yin-fire are not always easy to differentiate.
I think it’s a really interesting approach as long as you know how and when to use it!

Rothenburg #2

 

[english version below]

Zu den Referenten, die mir am meisten im Gedächtnis bleiben werden, gehört auch Gunter Neeb. Am Sonntag hörte ich seinen Vortrag über die Feuerschule (Huo Shen Pai – „Feuer-Geist-Schule“), eine medizintheoretische Richtung in der Chinesischen Medizin, insbesondere der Arzneimitteltherapie, entstanden im 19./20. Jahrhundert. Bezeichnend für diese Schule ist der Fokus auf eine Schwäche des primären Feuers als Hintergrund für einen Großteil der Krankheiten, besonders unserer heutigen Zivilisationskrankheiten. Demzufolge steht auch eine Behandlung mit vorwiegend stark wärmenden, yang-tonisierenden Arzneimitteln im Vordergrund, z.B. Fu Zi (präparierter Aconit, also chin. Eisenhut), Rou Gui (Zimtrinde aus Vietnam) und Gan Jiang (getrockneter Ingwer), oftmals in sehr hohen Dosen. Natürlich war auch die richtige Verwendung und Dosierung des normalerweise giftigen und in Deutschland apothekenpflichtigem Fu Zi ein großes Thema. Wichtig ist es aber zu erwähnen, dass in der Feuerschule natürlich nicht nur yang-tonisierend arbeitet. Eine präzise Musteridentifikation und eine differenzierte Anwendung der Kräuter, auch der kühlenden, ist hier genauso wichtig wie in der gesamten Bandbreite der Chinesischen Medizin. Betont wird hier nur der Aspekt, dass die Bedeutung der Schwächung der grundsätzlichen yang-Vitalität in unserer Wohlstandsgesellschaft größer ist, als uns das oberflächliche Muster eines Klienten manchmal vermuten lässt. So kann zum Beispiel, nach dem Prinzip der Feuerschule, eine Krankheit mit Hitzesymptomen durchaus mal mit wärmenden und tonisierenden Kräutern behandelt werden, vorausgesetzt der Hintergrund ist eine Schwächung des primären yangs. Grundlage für die korrekte Anwendung ist aber, wie gesagt, eine sehr genaue Mustererkennung.  Alles klar?

Da mir die Feuerschule zuvor höchstens dem Namen nach ein Begriff war, war es für mich vor allem interessant, etwas über die unterschiedlichen Ansätze innerhalb der Chinesischen Medizin zu lernen. Denn wie Jeffrey Yuen auch auf dem Kongress sagte, ist es ein weit verbreitetes Missverständnis, dass die Chinesische Medizin ein vereinheitlichtes System darstellt. Hinter der Vereinheitlichung unter dem Begriff der sogenannten TCM stecken klare politische Gründe. Deshalb ist es immer notwendig, sich mit verschiedenen Facetten derselben Sache zu beschäftigen. Eine Beschränkung ausschließlich auf die einst gelernte Variante einer Sache (unabhängig vom Fachgebiet) ist immer ein Denken „only inside the box.“ Eine gute Überleitung, denn der nächste Artikel wird sein über den Herrn Jeffrey Yuen und seinen Vortrag in Rothenburg.

Gunter Neeb hat übrigens auch eine ganze Reihe Bücher zum Thema verfasst.

 

Among the speakers that I will definitely remember a long time was also Gunter Neeb. On Sunday I was attending his speech on the Fire School (Huo Shen Pai – „Fire Spirit School“), a special branch of Chinese Medicine, particularly phytotherapy, that was developed in the 19./20. century. Characteristic of this approach is the focus on the weakness of the primordial fire (yang) as the background for the major part of the diseases, especially our modern lifestyle diseases. Therefore there is a certain emphasis on a treatment involving very warming, yang tonifying herbs, such as Fu Zi (prepared chinese aconite), Rou Gui (vietnamese cinnamon bark) and Gan Jiang (dried ginger), often using very high doses. Of course we were also dealing with the proper preparation and dosage of the usually toxic aconite. It is important to mention that the Fire School is of course not exclusively working with yang tonics. An individually correct pattern discrimination and the differenciated usage of herbs, also the cooling ones, is of course as important as always in Chinese Medicine. It just stresses the fact, that the significance of yang deficiency in our affluent society is bigger than you can see in some clients‘ patterns at first glance. So for example a disease involving signs of heat can sometimes be treated with warming and yang tonifying herbs, IF the underlying process is a weakness of primordial yang. Keep in mind that the basic tool for this kind of treatment is, as I already said, the very exact pattern discrimination.

 Since the term „Fire School“ merely rang a bell with me before this, and I also have, because of my still limited knowledge of herblore, no possibility to use it, the most interesting thing for me was to learn something new about the many different aspects within the vast field that is Chinese Medicine. Like Jeffrey Yuen said at the plenary in Rothenburg, it is a common misunderstanding that Chinese Medicine is a standardized system. There are some political reasons for the standardization of the so called TCM. Therefore, it is always necessary to deal with the many different facets of the same matter. An exclusive limitation to the once learned version of anything (including any kind of profession, really) always means thinking only inside the box.

The next article will be about Mr. Jeffrey Yuen and his speech in Rothenburg.

By the way, Gunter Neeb is the author of several books on this matter, some of them are even translated to English.

 

 

TCM Kongress Rothenburg

Ich hatte die letzte Woche das besondere Vergnügen, am 42. TCM-Kongress in Rothenburg teilzunehmen. Ich bin sehr froh, mir diese Erfahrung vor allem finanziell geleistet zu haben und alles in allem bin ich heute sehr inspiriert und motiviert zurückgekommen. Ich habe eine ganze Reihe ausgezeichneter Referenten erlebt, auf deren Vorträge ich mich zum Teil schon im Vorfeld sehr gefreut hatte und die mich auch nicht enttäuscht haben, ganz im Gegenteil.

Das Kongresszentrum Wildbad liegt im beschaulichen Taubertal und ist aufgrund dessen Lage fast unmöglich als Ganzes zu fotografieren, es sei denn, man sitzt in einem Helikopter. Deswegen hier nur ein paar Eindrücke der näheren Umgebung.

Last week it was my special pleasure to attend the 42th TCM Congress in Rothenburg, Germany. I’m very happy about the decision to go there and therefore gain all these wonderful experiences and I came back today very inspired and motivated. I was allowed to see a couple of amazing lecturers who I was already looking forward to see and who didn’t disappoint me (on the contrary).

The Congress Center „Wildbad“ lies in the romantic Taubertal (valley of the river „Tauber“) and is due to its location almost impossible to photograph, unless you are sitting in a helicopter. Hence only a couple of impressions of the surrounding area.

Bogengang
Place for Taijiquan practice.
Just a couple of the many stairs you have to walk down to get to the Kongresszentrum.
Just a couple of the many stairs you have to walk down to get to the Kongresszentrum.
Towngate at night.

Unter meinen Lieblings-Referenten war auf jeden Fall Lillian Bridges, die ein Tagesseminar mit dem Thema „Trapped Fire and inaccessible Jing“, also „Festsitzendes Feuer und unzugängliches Jing“ hielt. Als international bekannte und geschätzte Spezialistin für Gesichtsdiagnose ging es natürlich um jene Zeichen im Gesicht, die auf eine Stagnation hinweisen, die den frei nutzbaren Fluss des Jing blockieren, oftmals mit emotionalen Hintergründen. Nicht nur fachlich beeindruckend, sondern auch unheimlich sympathisch und inspirierend. Hier bloggt sie übrigens selbst zum Thema Ernährung, leider nur auf englisch.

Among my favourite lecturers was of course Lillian Bridges, who held a one day seminar on „Trapped Fire and inaccessible Jing“. As an internationally renowned specialist for facial diagnosis it was of course about those signs in the face that indicate stagnations which block the free flow of Jing in the body, often with an emotional background. Not only professionally impressive but also very likable and inspiring. This is her own blog on diet.

Ich werde demnächst noch mehr Artikel posten zu den verschiedenen Referenten, darunter Heiner Fruehauf, Jeffrey Yuen und Gunter Neeb.

I’m going to post some more articles about the different lecturers, among them Heiner Fruehauf, Jeffrey Yuen and Gunter Neeb.

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