Nur mal so ein kleines Update…

Ich bin ja nun seit genau 4 Wochen wieder in der Heimat. Habe am Freitag einen Reisebericht in der Schule veranstaltet und in dem Zuge diese Karte gemacht, um meine Reiseroute zu veranschaulichen. So weit bin ich wirklich gereist?? Das rote sind auf dem Landweg vollbrachte Wege, das blaue bin ich geflogen.

Ankommen war schwierig, an Vieles musste sich erst wieder gewöhnt werden und auch immernoch vermisse ich Menschen, Orte, Essen, Tai Chi Kurse…:)

Aber so langsam fühle ich mich auch hier wieder zu Hause und blicke motiviert in die Zukunft. Vorträge, Kräuterwanderungen, Beratungen und Ferienlager werden geplant und vorbereitet. Na dann kanns ja losgehen…

Auf den letzten Drücker…

…. noch ein Blog-Artikel von mir. In weniger als 30 Stunden ist es tatsächlich soweit und ich mache mich auf den Weg zum Flughafen mit dem Ziel Berlin Tegel am Dienstag morgen.

Meine Gefühle könnten gespaltener nicht sein und dennoch freue ich mich riesig auf zu Hause und kann es kaum erwarten, Freunde und Familie wiederzusehen und die Arbeit, die dort auf mich wartet endlich anzugehen.

Ich habe in den letzten Monaten so unglaublich viel gelernt, so viele großartige Menschen kennengelernt und mein Leben in jeglicher Hinsicht bereichert in einem Maße, dass ich jetzt noch gar nicht erkennen kann. Danke an alle, die diese Reise für mich möglich gemacht haben. Und danke an alle, die es die ganze Zeit brennend interessiert hat, was ich so erlebe und unternehme…;)

Habe schweren Herzens die letzten Kurse in dieser Woche hinter mich gebracht. Hier nochmal ein paar Beweisfotos:

Mein Taiji Lehrer Dr. Alex Feng

Meine Kräuterlehrerin Anastacia White

Das wunderschöne Haus, in dem ich zuletzt gewohnt habe!

Übrigens habe ich vor, weiterhin über Chinesische Medizin zu bloggen…:)

Und dann hier noch ein paar Zeilen, die mich heute sehr inspiriert haben:

„Habe Geduld gegen alles Ungelöste in deinem Herzen und versuche, die Fragen selbst lieb zuhaben wie verschlossene Stuben und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind. Forsche jetzt nicht nach Antworten, die dir nicht gegeben werden können, weil du sie nicht leben kannst und es handelt sich darum alles zu leben. Lebe jetzt die Fragen – vielleicht lebst du dann allmählich ohne es zu merken in die Antwort hinein.“

– Rainer Maria Rilke

Was auf die Ohren…

Nur mal so als Empfehlung: In Vorbereitung auf einen Kurs mit Liu Ming nächste Woche habe ich mal seinen Webshop durchstöbert und viele großartige Aufzeichnungen von seinen Kursen zum Download gefunden. Natürlich leider nur auf Englisch. Für jeden Daoismus-Interessierten sehr empfehlenswert. Die erste Datei in dem Link hier  (Introduction to Healing Apprenticeship) ist kostenlos….hört mal rein!

Berkeley Harmony

So weit entfernt von zu Hause haben die Weihnachtsfeiertage eine ganz andere Qualität für mich – bisher waren es diese letzten zwei Wochen, die für mich am produktivsten waren, wenn man mal die gesamte Reise so betrachtet. Natürlich war das ganze Herumgereise auf eine völlig andere Art ebenso reich an Erfahrung und Gelerntem, aber nun habe ich endlich Zeit und Gelegenheit, zu studieren, mich zu fokussieren, aber auch ein bisschen zu erholen und zu sammeln. Doch nochmal von ganz vorne…

Anfang Dezember führte mich meine Reise zurück nach San Francisco. Nur um den Überblick zu bewahren: Ich bin in einem Monat ganz schön rumgekommen und habe die USA fast einmal komplett umrundet. Mit dem Zug ging es zuerst nach Portland, dann nach Minneapolis und Umgebung, dann nach New York und dann nach Miami und schließlich wieder zurück nach Kalifornien…

Die Reise war ein Traum, lehrreich, aufregend und etwas, das ich niemals vergessen werde. Trotzdem wurde mir nach meiner Rückkehr schnell bewusst, wie anstrengend und erschöpfend so eine Unternehmung gleichzeitig ist. Also entschied ich mich, für den Rest meines Aufenhalts erst einmal in der Bay Area zu bleiben und mich tatsächlich mit etwas handfesteren Dingen zu beschäftigen.

Und wie das anscheinend so üblich ist, wenn man auf Reisen und mit positiver Einstellung unterwegs ist, haben sich auch gleich gefühlte hundert Möglichkeiten der sinnvollen Beschäftigung ergeben.

Gerade wohne ich zur Zwischenmiete in einem wunderschönen Haus in Berkeley. Nach Monaten voll von Couchsurfing, Luftmatratzen, Hostels und geteilten Zimmern ein eigenes Zimmer zu haben ist ein wahrer Segen und erscheint mir fast wie ein unmöglicher Luxus ;) Mitte Januar habe ich dann zwei Wochen Hauslosigkeit (eine wunderbare Gelegenheit für Abenteuer, wie ich mittlerweile weiß) und ziehe dann in eine neue Zwischenmiete, ebenfalls in Berkeley.

Ich hatte endlich die Gelegenheit einem Kurs von Liu Ming beizuwohnen, der in Oakland eine daoistische Gemeinschaft, den Da Yuan Circle, unterhält. Der Kurs findet einmal im Monat statt und dreht sich im Grunde um die Anpassung an die jeweilige Jahreszeit mit Ausblick auf Ernährung, Lebensweise, Astrologie und Rituale. Obwohl das für mich im ersten Moment etwas abstrakt und esoterisch klang, konnte ich sehr viel entdecken, was dem, was wir in der Thammavong Schule unterrichten, sehr ähnlich ist. Ich war unheimlich froh, diesen Kurs besucht zu haben. Ich kam gerade zurück von meiner Reise, war unheimlich müde und ein bisschen krank und zudem etwas unruhig, weil ich zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste, wie meine Reise weitergehen sollte. Die Hauptbotschaft des Seminars war folgende: Im Winter zieht sich das yang hauptsächlich zurück, um das yin zu regenerieren und im Inneren zu wirken, um dann im Frühjahr erneut nach außen zu treten. Deshalb ist der Winter die Zeit der yin-Regeneration, des Rückzugs und der Erholung der Kräfte. Liu Mings Hauptaussage war, dass es gerade um die Zeit der Wintersonnenwende am natürlichsten ist, gar nichts zu tun, auszuruhen, zu schlafen und zu Kräften zu kommen. Keine Zeit der großen Aktivität nach außen. Das war meine Rettung, fast sofort ging es mir besser und ich war inspiriert, den Rest meiner Zeit hier fast ein bisschen häuslich zu werden und erstmal abzuwarten und mich mit ruhigeren Dingen zu beschäftigen. Kurz darauf fand ich das Zimmer hier und auch Anastacia White zum zweiten Mal.

Liu Ming

Weil ich gerne nicht mehr nur Eindrücke sammeln wollte, sondern auch konkret etwas für meine Weiterbildung tun wollte, habe ich nach meiner Rückkehr auch Anastacia White kontaktiert (hier der Artikel zu ihrer Kräuterwanderung) und sie gefragt, ob sie bereit wäre mir etwas über chinesische Kräuter beizubringen. Schließlich ist das der nächstsinnvolle Schritt in meiner Ausbildung und etwas, das mich sowieso erwartet, sobald ich wieder zu Hause bin! Sie hat sofort ja gesagt, und meine anfänglichen Bedenken, ob denn eine Stunde Kräuterlehre in der Woche genug sei, um mich zu beschäftigen, wurden sofort zerstreut angesichts des riesigen Bergs an Hausaufgaben, den ich nach der ersten Stunde aufbekam…:) Darüber freue ich mich riesig, es gibt mir die Chance mich auf etwas wichtiges zu konzentrieren, hierzubleiben, die Gegend kennenzulernen und etwas mit nach Hause zu nehmen, das immens wichtig ist für meine Zukunft als Gesundheitsberaterin. So beschäftige ich mich jetzt jeden Tag ein bisschen mit der Materia Medica und arbeite mich Schritt für Schritt durch dieses riesige Thema.

Anastacia White

Nicht zuletzt sollte dann auch noch eine wichtige Person in meinem Lernprozess erwähnt werden: Dr. Alex Feng. Ich habe ihn als Organisator des Taoist Gathering, einer Taoistischen Konferenz in Oakland im Oktober kennengelernt und habe kurz darauf seinen Tai Chi Kurs besucht. Ich bin so froh, durch meine temporäre Sesshaftigkeit in Berkeley seine Kurse nun regelmäßig besuchen zu können. Zweimal die Woche gehe ich also zum Tai Chi im Zhi Dao Guan – The Taoist Center und lerne die Chen-56-Form, viel Chi Sao und Zentrierungsübungen inklusive. Er ist ein wunderbarer Lehrer, sehr sanft und poetisch aber auch kraftvoll und beeindruckend in seiner Kampfkunst.

Shi Fu Dr. Alex Feng

Mit dieser Kombination fühle ich mich sehr erfüllt und lerne eine Menge, vieles ist schwer zu beschreiben und fühlt sich eher an wie eine Vertiefung und Sicherung von Dingen, die ich schonmal gelernt habe. Vieles ist aber auch neu und eröffnet neue Sichtweisen und Perspektiven. Wo Fragen beantwortet werden, eröffnen sich ständig neue. I ♥ Daoism.

Achja, um mehr über Liu Ming, Anastacia und Dr. Feng zu lernen, klickt einfach auf die Bilder…leider nur auf Englisch.

Chow Qigong Training Event in Minnesota

Ich liebe es, mit dem Zug zu reisen. Man hat eine Menge Zeit, zu lesen, seine Gedanken zu ordnen, aus dem Fenster zu schauen und Blog Artikel zu schreiben. Es gibt eine Menge Geschichten zu erzählen, eine daoistische Konferenz in Oakland, ein wunderbarer Tai Chi Kurs mit Dr. Alex Feng, ein daoistischer Meister, von dem ich gerne mehr lernen würde, ein paar Kurse am College für Chinesische Medizin. Doch ich werde mit den jüngsten Ereignissen beginnen und dann auf mehr Zugfahrten hoffen, um diese ganzen Lücken in der Geschichte zu füllen.
Ich habe die letzten zwei Wochen in und um die Twin Cities (Zwilligsstädte) Minneapolis und St. Paul im Staate Minnesota verbracht. Anlass dieser langen Reise dorthin (insgesamt über 40h mit dem zug) war ein Einführungsprogram in Chow Qigong, das Dr. Chow dort vom 4. bis zum 6. November abgehalten hat. So ziemlich das erste, was sie mir angeboten hat, war, mit ihr nach Minnesota zu kommen und ich habe sehr gezögert, weil ich mich nicht in der Lage sah, Transport und Unterkunft zu bezahlen. Da sieh aber nicht locker ließ, entschied ich mich kreativ zu werden, den Zug zu nehmen, in Portland einen Zwischenstopp zu machen, auf gleichem Wege so viel vom Land zu sehen, wie nur möglich. Das Problem der Unterkunft löste sich ohne großen Aufwand durch die beeindruckende Gastfreundschaft der Minnesotaer (???), die mir bis zu diesem Moment das Herz wärmt. Nach zwei Wochen Gast sein in 4 verschiedenen Häusern habe ich fast das Gefühl, ein Stück Familie hinter mir zu lassen.

Pfeil und Bogen Übung, Dr. Chow, ich und Maria Blodek aus Miami; Foto: Joseph Welch

Meine Aufgabe war es, die Qigong-Übungen zu unterrichten, während Dr. Chow die Theorie vermittelte, Meditation anleitete und Beschwerden der Teilnehmer auf der Bühne erleichterte. Unterstützung bekam ich dabei von Maria, einer Schülerin von Dr. Chow aus Miami, Florida, die mich ebenfalls zu sich eingeladen hat. Hoffen wir, das meine Reise mich noch in den warmen Süden bringen wird.

Diagonale Streckung; Foto: Joseph Welch

Die Qigong-Übungen zu unterrichten war mir eine große Freude und ich habe wiedermal gemerkt, dass ich mich in dieser Arbeit sehr wohl fühle. Ich wurde begeistert aufgenommen und habe viel Lob erhalten. Insgesamt war das Seminar eine sehr positive Erfahrung. Auch ist es sehr interessant, die Übungen aus Dr. Chows Perspektive zu lernen, einige Aspekte werde ich sicher mit einarbeiten in mein Qigong, andere Aspekte gefallen mir besser so, wie ich sie ursprünglich an der Thammavong Schule gelernt hatte. Am Montag nach dem Seminar hatte ich die Gelegenheit, den ganzen Tag Konsultationen mit Dr. Chow beizuwohnen. Eine sehr interessante Erfahrung, jedoch auch sehr komplex und besser persönlich zu erzählen.


Nachdem Seminar war mir noch nicht danach, die Stadt wieder zu verlassen, aber ich hatte keine Bleibe und kein wirkliches Ziel in der Stadt und da kam eine email der Organisatorin Mary Zelmer wie gerufen: die „Qigong Connection“, die Vereinigung von Qigong-Praktizierenden in Minnesota, die hauptsächlich für das Seminar verantwortlich war, wollte einen Übungskurs mit mir organisieren, um die doch in ziemlich raschem Tempo gelernten Übungen zu wiederholen. Dieser Kurs sollte am 15. November stattfinden und somit hatte ich noch eine ganze Woche in der Gegend. Ein Mitglied der Qigong Connection war wieder einmal mehr als bereit, mich bei sich zu Hause aufzunehmen und ich hatte ein wunderbare Zeit mit Teresas Familie und vermisse sie jetzt schon sehr. So habe ich ein bisschen mitgeholfen in dem kleinen Waldorfkindergarten, den Teresa bei sich im Haus ein paar Tage die Woche unterhält und habe auch dabei sehr viel gelernt. Wie ein roter Faden zieht sich die Erkenntnis durch meine Reise, dass alles, was ich irgendwie lerne, sich in meine Arbeit und mein Verständnis von Daoismus einarbeiten lässt. Wahrscheinlich, weil diese Art von Beruf so eng mit der ausübenden Person zusammenhängt ist jedes charakterformende Erlebnis auch für die Arbeit von Bedeutung.
Für mich war es eine große Ehre, diesen zweiten Kurs alleine zu leiten, Dr. Chow war ja schon zurück in San Francisco. Es gab keine Reservierungen für den Kurs, und so waren wir ein bisschen unsicher, wie er aussehen würde. Am Ende kamen 30 Leute, genau die richtige Zahl für den Raum, sehr voll, aber nicht zu voll! Alle waren sehr dankbar für die Gelegenheit, die Übungen nochmal durchzusprechen und ich war sehr dankbar für die Gelegenheit, sie etwas mehr so zu unterrichten, wie ich sie normalerweise unterrichten würde. Mary hat dann noch einmal betohnt, dass ich mich jetzt „International Teacher“ nennen darf, womit sie wohl ein bisschen recht hat…:) So hatte ich auch nochmal die Gelegenheit, viele Leute von dem Seminar noch einmal zu sehen und michzu verabschieden.
Gerade bin ich auf dem Weg nach New York (mit gerade meine ich den Moment in dem ich dies schreibe. Es gibt kein Internet im Zug, also sind die Zeitangaben in diesem Artikel etwas verzögert). Bin mal gespannt, was das so bringt. Zum Anfang Dezember möchte ich gerne wieder in San Francisco sein. Trotz allem werde ich wohl nicht weiter mit Dr. Chow zusammen arbeiten. So dankbar ich auch für diese Erfahrung bin, es gibt noch viel zu entdecken und viele Menschen in der Gegend, von denen ich gerne lernen würde.

Der Wert eines Kochbuchs

Nach der Kräuterwanderung habe ich dann noch auf einem Stadtfest in Berkeley dieses wunderbare Buch für $1 erstanden:

Schon seit längerer Zeit bin ich immer auf der Suche nach einem guten, d.h. authentischen chinesischen Kochbuch. Zum einen, weil ich chinesisches Essen liebe und zum anderen, weil ich glaube, dass es eine der bekömmlichsten Arten zu kochen ist. Konsequenterweise, schließlich entspringt die chinesische Kochkunst ja demselben Hintergrund wie die Chinesische Medizin – ich brauche glaube ich nicht mehr hinzuzufügen, dass Ernährung und damit auch die Art und Weise des Kochens einen großen Teil der CM ausmacht.

Ich würde sogar soweit gehen, zu behaupten, dass man aus einem authentischen chinesischen Kochbuch eine Menge über die medizinischen Aspekte des Kochens lernen kann! Oder anders gesagt, über die volkstümliche praktische Anwendung der chinesischen Medizin! Voraussetzung hierfür ist es natürlich, dass es neben den bloßen Rezepten einige Informationen zur Art und Weise des Kochens, Essensgewohnheiten, Zubereitungsmethoden und Anwendungsmöglichkeiten liefert.

"Reissuppe ist sättigend, nährend und leicht zu verdauen. Es ist ein exzellentes Nahrungsmittel für Kranke und jene mit Magenproblemen. Ist sie für Kranke gedacht, lass alles Fleisch weg, um die Suppe neutral und fettfrei zu halten." - Kommt das irgendwem bekannt vor? ;)

Kräuterwanderung – Herbwalk in Berkeley, CA

[english version is in the works…]

Ich muss einen Artikel schreiben, sonst ist der Tag, über den ich berichten will, schon zu lange vergangen! Am Sonntag habe ich an einer Führung durch den Botanischen Garten in Berkeley teilgenommen, mit besonderem Fokus auf die Abteilung für chinesische medizinische Kräuter. Es war ein wundervoller Tag, der Garten ist wirklich sehr umfassend und meiner Meinung nach wesentlich schöner als der San Francisco Botanical Garden! Also wer mal hier in der Gegend ist, sollte den kleinen Kurztrip (hier zu sehen auf der Karte) nach Berkeley wagen und den dortigen Garten besuchen.

Ich hatte das Glück, dass die Gruppe an diesem Tag sehr klein war. Nur Anastacia White, die Leiterin der Kräuterwanderung und ein weiterer Gast waren anwesend, sodass die ganze Unternehmung einen sehr privaten Charakter hatte und dadurch wesentlich intensiver und lehrreicher war als etwa in einer 20-köpfigen Gruppe. Anastacias Art zu unterrichten hat mir wirklich gut gefallen und ich bin ihr sehr dankbar für die Möglichkeit, einen wichtigen Teil der chinesischen Materia Medica einmal live und in Farbe zu erleben.

Das Erlebnis, die Pflanzen auch in ihren verschiedenen Wachstumsstadien zu sehen hat eine neue Dimension zu meinem Verständnis der chinesischen Kräuter hinzugefügt. Ich finde es schwer, dass auszudrücken, aber ich konnte mir immer kaum vorstellen, dass diese ganzen getrockneten Wurzeln, Zweige, Samen und Blätter tatsächlich das Endprodukt einer Pflanze sein sollen, die in anderen Teilen der Welt wächst wie bei uns Beifuß oder Brennnesseln (abgesehen von den seltenen und gefährdeten Kräutern, versteht sich).  Sie wachsen zu sehen hat für mich die gefühlte Kluft zwischen unseren heimischen Kräutern und den asiatischen (und amerikanischen, afrikanischen, usw…) erheblich verringert.

Huang qi - Radix astragali (Quelle: http://chinese.herbs.webs-sg.com/articles_1.html)

Huang qi - Radix astragali (Quelle: http://chinese.herbs.webs-sg.com/articles_1.html)

Huang qi - Astragalus membranaceus

Astragalus membranaceus

Die Fotos sind leider nicht die allerbesten und mit meinem Netbook kann ich sie nicht bearbeiten, aber für den Moment muss es wohl reichen…

Mit Anastacias Hilfe bin ich auch der Beantwortung meiner ewigen Frage, wie die Menschen angefangen haben, die Wirkweise von Kräutern zu entdecken, etwas nähergekommen. Natürlich wusste ich auch schon vorher, dass sich der Charakter der Wirkweise vieler Pflanzen auch in ihrer Erscheinung oder Manifestation ausdrückt, sprich dass man ihnen in einem gewissen Rahmen ihre Qualitäten ansieht. Wenn man einmal die Gelegenheit hat, die frischen Pflanzen anzufassen, zu riechen und zu schmecken, dann weiß man, was damit gemeint ist. Einige Pflanzen fühlen sich einfach kühl und feucht an und man kann sich denken, dass sie vielleicht befeuchten und das yin tonisieren. Oder eine Pflanze hat sehr feine Blätter und Blüten und ein sehr intensives Aroma und man kann sich denken, dass sie vielleicht Nässe und Schleim bewegt oder das qi reguliert.

Interessant war für mich zum Beispiel, dass die Blätter von Dang gui (angelica sinensis) ein bisschen aussehen wie Sellerie und auch sehr ähnlich schmecken. Anastacia hat mir dann erklärt, dass die beiden tatsächlich zu gleichen Familie gehören. Ist also alles gar nicht so anders als das, was bei uns im Garten wächst!

Angelica sinensis

Dang gui - Radix angelica sinensis (Quelle: vertigopower.com)

Weiterhin war es für mich schön zu sehen, wie verschieden die einzelnen Arten einer Pflanze sein können. Mir ist jetzt endlich bewusst, was für einen Unterschied es macht, wenn man die chinesische Variante einer Pflanze verwendet, deren Gattung auch bei uns heimisch ist. Es handelt sich einfach um völlig verschiedene Pflanzen!

Europäischer Weißdorn

Chinesischer Weißdorn - Crataegus pinnatifida

Auf den Bildern ist es zwar nicht ganz so schön zu sehen, aber die Beeren des chin. Weißdorns sind viel größer als unsere. Oft sind die Teile einer Pflanze, die man auch medizinisch nutzt, jene, die am besten entwickelt sind.

Anastacia bietet diese Kräuterwanderung fast jeden Monat an. Sollte ich bis dahin wieder in der Gegend sein, werde ich auch im Dezember daran teilnehmen. Aufgrund des Klimas hier werden zwar eine Menge Pflanzen mehr oder weniger „Winterschlaf“ halten, aber eben nicht alle. Außerdem macht es denke ich auch Sinn, die Kräuter in verschiedenen Stadien zu sehen.

Der erste Monat/ein Rückblick – the first month/a review

[english version is in the works…]

Der erste Monat in San Francisco ist „überstanden“ und ich wage mal den Versuch einer Zusammenfassung… die Zeit vergeht so schnell und ich habe das Gefühl, ich habe alles und nichts erlebt. Ich habe viel über das gelernt, was ich arbeiten und lernen möchte, wenn auch nicht auf die Art, die ich mir erhofft hatte. Bisher ist mein Eindruck von Qigong in dieser Stadt oder in diesem Land sehr unterschiedlich von meinem eigenen Bild davon. Natürlich habe ich noch nicht sehr viel davon gesehen.

Obwohl es mir nicht besonders gefällt, lerne ich sehr viel über Marketingstrategie und andere Sachen, die wichtig sind für das Geschäft. Das ist natürlich sehr wichtig, ein Großteil der Zeit wird ja in fast jedem Beruf für Werbung u.ä. aufgewendet. Hier ist das alles umso wichtiger, einerseits (zumindest ist das meine Meinung) aufgrund der Menge von Leuten die hier in diesem Gebiet arbeiten. Ich habe keine genaue Zahl, wie viele TCM-Therapeuten, Qigong-Lehrer und Akupunkteure in San Francisco arbeiten, aber ich vermute, dass es Hunderte sind. Der andere Grund für das vermehrte Augenmerk auf Vermarktung und Werbung ist möglicherweise die schwierige wirtschaftliche Lage derzeit. Leute sind weniger bereit, Geld auszugeben für Behandlungen, die nicht von der Versicherung übernommen werden, also muss die Werbung natürlich dementsprechend sehr überzeugend und eindringlich sein.

An gut organisierter Werbung ist natürlich nichts auszusetzen, allerdings, zumindest so wie es mir hier begegnet ist, führt es oftmals zu einer Verwischung des philosophischen Inhalts. Viele Kurse oder Veranstaltungen, die ich bisher besucht habe, waren mehr um die möglichst eindrucksvolle Darstellung des Meisters und seiner Wundertaten bemüht als um die Demonstration und Vermittlung von tatsächlichen Übungen und Techniken, die für die Teilnehmer einfach nachvollziehbar und vor allem UNABHÄNGIG vom Meister im Alltag ausgeführt werden können.

Natürlich gehören immer zwei dazu und die extreme Begeisterungsfähigkeit der meisten Amerikaner, die ich unter Umständen als sehr liebenswert empfinde, wird ihnen hier zum Verhängnis. Andererseits führt sie manchmal zu beeindruckenden Resultaten! Ich habe nun tatsächlich Leute gesehen, die ihren Arm plötzlich nach 2min Behandlung wieder bewegen konnten nachdem er 2 Jahre unbeweglich war…. deswegen fällt es mir schwer, die ganze Sache als schlecht zu bezeichnen. Schließlich ist es mittlerweile eine weit verbreitete Meinung unter Medizinern, dass der Placebo-Effekt als solcher nicht ganz so stiefmütterlich behandelt werden sollte, da er doch Menschen aufwändige Operationen und belastende medikamentöse Behandlungen ersparen kann.

Trotzdem bin ich mir sicher, dass es sich hierbei nicht um die Art von Qigong handelt, die ich gerne lernen und praktizieren möchte. Eine wichtige Erfahrung ist es denke ich jedoch allemal.

Ein kleiner fachlicher Lichtblick ist jedoch die Einladung, ab und an mal in den Klassen des American College of Traditional Chinese Medicine (ACTCM) beizusitzen. Das werde ich ab nächster Woche tun, wann immer ich Zeit habe.

Während mich meine fachliche Bildung zurzeit zwar weiterbringt, aber nur mittelmäßig begeistert, mache ich gerade die interessante Erfahrung, dass es nicht die großen, wichtigen Ereignisse sind, die im Gedächtnis hängenbleiben, sondern dass es die kleinen Dinge sind, die einen verändern und einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Leute, die man auf der Straße trifft. Ein Lied im richtigen Moment. Szenen des Alltags am anderen Ende der Welt. Momentan glaube ich, dass ich von diesen winzigen Situationen mehr nach Hause nehmen werde, als von dem tatsächlichen Unterricht. Und noch viel wichtiger: ich habe nicht das Gefühl, dass das irgendeinen Unterschied macht.

SF Botanical Garden

[english version below]

Die Tage vergehen so rasend schnell, dass ich kaum Zeit habe zum Bloggen. Das gleiche gilt für emails schreiben und überhaupt jegliche Art von Organisation. Doch ich denke, dass ist in der Regel ein gutes Zeichen. Auch auf dem fachlichen Gebiet passiert so einiges, ich verliere langsam den Überblick über das, was ich schreiben will und ich glaube, ich muss mich damit abfinden, dass wohl nicht alles seinen Weg in diesen Blog finden wird.

Vor ein paar Tagen war ich im Botanischen Garten von San Francisco im Golden Gate Park. Eine wunderschöne Anlage mit unglaublicher Vielfalt, sortiert nach Kontinenten und Klimazonen, das Wetter war glücklicherweise perfekt und ich hatte die Chance, ein paar Exemplare der Chinesischen Materia Medica live und in Farbe zu sehen. Diese Erfahrung werde ich hoffentlich am nächsten Sonntag erweitern, wenn alles gut geht, werde ich an einer Kräuterwanderung durch einen chinesischen Kräutergarten in Berkely teilnehmen.

Das schönste an dem Tag war, ihn mit jemandem zu verbringen, der meine Begeisterung wirklich teilen konnte, wenn nicht sogar noch übertroffen hat..:-)

Zingiber officinalis

Prunella vulgaris

Time flies so fast that I don’t even get to blog. Same thing for answering emails and organization in general. Although I think that this might actually be a good thing! Even on the professional level a lot of things happen and I kind of loose track of what I want to write about. I think I might have to accept that not everything will find its way into this blog.

A few days ago I visited the SF Botanical Garden in Golden Gate Park. An amazing complex organized by continents and climate zones with a huge variety of plants, trees, herbs and flowers, the weather was perfect and I had the chance to see a few examples of the chinese Materia Medica live. I hope to expand this experience next Sunday, when I will probably take part in a herb walk through a chinese herbal garden in Berkeley.

The best thing about this trip though was the fast that I could spend it with someone who actually shared my excitement if not even beat it…:-)

Gute Aussichten – Great chances

[english version below]

Ich bin nun seit genau einer Woche hier und hätte mir noch vor ein paar Tagen nie träumen lassen, wie schnell die Dinge jetzt gerade ins Rollen kommen. Dr. Chow hat sich bereit erklärt, meine Übungen zu kontrollieren und zu verbessern und mir außerdem dabei zu helfen, Kontakte in der Region zu knüpfen. Diese Chance ist für mich so riesig, dass ich sie noch gar nicht fassen kann und wohl noch eine Weile darüber komtemplieren muss.

Schon jetzt habe ich unheimlich viel von ihr gelernt, vor allem darüber, wie viel es noch an Erfahrung zu gewinnen gilt. Auch die Verbesserung meiner Übungen war und ist ganz beträchtlich. Nur minimale Korrekturen wirken sich immens auf die Intensität der Übungen aus. Morgen treffe ich sie wieder und das Üben geht weiter.

Derweil habe ich einen Feldenkrais-Kurs besucht, über den ich natürlich auch berichten werde. Allerdings brauche ich dafür erst ein bisschen Zeit, um das Gelernte zu verarbeiten und ein bisschen zu recherchieren.

Dr. Effie Poy Yew Chow

I’m here for one week now and would never have dreamed even a couple of days ago, how quickly things would unfold around here. Dr. Chow was so nice to agree to check and correct my exercises and even help me to connect with people around the area. This is such a huge chance for me, that I don’t even realize the extent of it and might have to contemplate about it for a little while.

Already now I have learned a lot form her, especially about the massive amount of experience that I still have to gain. The correction of my exercises had and still has a remarkable effect. The tiniest details have an amazing impact on the intensity of the exercises. Tomorrow I will meet her again and the practicing continues on.

Meanwhile, I have taken part in a Feldenkrais class as well, which was really interesting. I want to write about it further of course, but I still have to find the time to organize the stuff I learned and to do some research.

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